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Kreis Emmendingen - Emmendingen

5. Apr 2017 - 01:46 Uhr

Volksbank Breisgau Nord-UnternehmerForum 2017: Skispringer Sven Hannawald berichtete fesselnd über Höhen und Tiefen seines Lebens

VolksbankBreisgau Nord-UnternehmerForum 2017 – Skispringer Sven Hannawald berichtete fesselnd über Höhen und Tiefen seines Lebens: (Von links) Markus Singler (Vorstand Volksbank Breisgau Nord), Karl-Heinz Dreher (Vorstandssprecher Volksbank Breisgau Nord), Sven Hannawald (ehemaliger Skispringer und Unternehmensberater), Fritz Schultis (Generalbevollmächtigter und Bereichsdirektor Firmenkunden Volksbank Breisgau Nord) und Martin Reichenbach (Vorstand Volksbank Breisgau Nord)
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400 Volksbank-Kunden aus dem Unternehmensbereich und dem Einzugsgebiet der Volksbank Breisgau Nord heute Abend beim UnternehmerForum 2017 in die Steinhalle.

Der ehemalige Skispringer Sven Hannawald (Rekordsieger der Vierschanzentournee und Olympiasieger) berichtete unter dem Thema „4 gewinnt! Erfolg in Balance“ über eine Stunde über die Höhen und Tiefen seines Lebens und seiner Karriere.

Gefesselt folgten die Gäste den Ausführungen Hannawalds. Fritz Schultis (Generalbevollmächtigter und Bereichsdirektor Firmenkunden Volksbank Breisgau Nord) fungierte auf der Bühne als Fragensteller.
Hannawald, der seine sportliche Karriere aufgrund des Erschöpfungs-Syndrom Burnout beenden musste, appellierte eindringlich daran, auf die Warnsignale des Körpers zu hören: „Es besteht heute kein großer Unterschied mehr zwischen Profisport und Arbeit. Ich habe es mir als Unternehmensberater zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein für Stress und den Umgang damit zu schärfen“.

Volksbank-Vorstandssprecher Karl-Heinz Dreher begrüßte die Volksbank-Kunden und Ehrengast Sven Hannawald, der aus München angereist war. Unter dem Motto „Alles verändert sich, Nachhaltigkeit zahlt sich aus“ gab Dreher einen kurzen Überblick über die Förderbilanz 2016 der Volksbank Breisgau Nord.
„In den 1960er Jahren wurde der Skisport von Georg Thoma geprägt, in den 70ern dann von Sportlern aus der damaligen DDR“, führte Dreher aus. „Alle haben erkannt, dass sich Erfolge nur durch eine genossenschaftliche Organisation erreichen lassen, was sich heute noch im sogenannte „V-Sprung“ im Skispringen zeigt“, nahm der Vorstandssprecher augenzwinkernd Bezug zum Volksbank-Logo.
Dreher umriss die sportlichen Erfolge Hannawalds - Rekordsieger der Vierschanzentournee, Olympiasieger, vierfacher Weltmeister im Skispringen und Skifliegen, Sportler des Jahres 2002 – und merkte an, dass dieser nun ein gefragter TV-Experte, Buchautor und Unternehmensberater sei.

Moderator Fritz Schultis (Generalbevollmächtigter und Bereichsdirektor Firmenkunden Volksbank Breisgau Nord) stellte sich als „Katrin Müller-Hohenstein der Volksbank Breisgau Nord“ vor. Er sei sehr stolz, mit einem Ausnahmesportler wie Hannawald auf der Bühne stehen zu dürfen.
Ein Einspieler auf einer großen Leinwand hinter der Bühne zeigte die Fernsehaufnahmen des Vierschanzentournee-Sieges Hannawalds vor 15 Jahren. Dann betrat der Ehrengast unter großem Applaus das Podium.

DER HÖHENFLUG

Nachdem Hannawald Schultis am Abend nach vorausgegangenen Telefonaten zum ersten Mal gesehen hatte, bot er ihm „von Sportler zu Sportler“ das „Du“ an.
Ob die Bilder vom Sieg der Vierschanzentournee 2002 noch präsent seien, wollte der Moderator wissen. „Ich kann die Bilder jetzt genießen, damals war der Erfolg noch nicht greifbar“, schilderte Hannawald seine Gefühlslage.
Nach dem Olympiasieg im gleichen Jahr in Salt Lake City sei dann ein Rucksack von ihm abgefallen, berichtete der ehemalige Skispringer.

Zum letzten Mal sei er 2013 zur Vorstellung seines Buches „Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben“ in der Steinhalle gewesen, erinnerte sich Hannawald. In seinem Emmendinger Feng Shui-Hotel habe es schon damals kein WLAN gegeben, merkte er lachend an.
Auf der Leinwand hinter der Bühne wurden fortwährend Bilder aus den Lebensabschnitten des Sportlers gezeigt.
Über eine frühere Begegnung mit Genossenschaftsbanken in Mössingen fand Hannawald lobende Worte: „Man merkt, dass hier bodenständige Leute am Werk sind, keine Freiflieger!“.

Der ehemalige Skispringer berichtete über den Beginn seiner Karriere und seine Kindheit im Erzgebirge: „Das Leben in der DDR war für mich ganz normal. Die Unterschiede zum Westen habe ich erst bemerkt, als ich als Jugendlicher ins Skiinternat nach Furtwangen in den Schwarzwald kam“.
Frühzeitig sei er zum Skispringen gekommen: „Man wächst da rein, aber man muss auch ein kleiner Abenteurer sein“, so Hannawald. Er habe immer der Beste sein wollen und geweint, wenn es nur zum zweiten Platz gereicht hatte, hätte ihm sein Vater einmal erzählt.

Der Fall der Mauer habe dann einiges geändert: „Man wollte die Dinge nachholen, die es im Osten nicht gab“, berichtete Hannawald. Erst im Sommer 1997 sei bei ihm ein Aha-Effekt eingetreten, der Ehrgeiz sei zurückgekehrt und er habe sich komplett auf den Sport fokussiert, erinnerte er sich. Den damaligen Leistungsdruck hätte er auch als eine gewisse Befreiung empfunden.

Selbstdisziplin gehöre zwar dazu, aber er habe auch immer eine genetische Veranlagung für das Skispringen besessen, so Hannawald. Materialmäßig wäre er zudem immer auf Top-Niveau gewesen, sein Körpergewicht hätte er austarieren müssen.
Beim Thema Doping zeigte sich der ehemalige Sportler sehr offen: „Das war natürlich überall ein Thema. Ich bin heilfroh, dass man im Skispringen wenig machen kann. Das Mittel Epo wirkt bei unseren kurzen Sprüngen eben nicht!“, erläuterte er.
Einzig ein paar weiße Pillen hätte er geschluckt – Multivitamin-Präparate im Skiinternat, wie Hannawald schmunzelnd konstatierte.

Wann er denn an die Weltspitze und an Olympia gedacht hätte, fragte Schultis. Dieser Gedanke sei bei ihm bereits im Kindesalter gereift, so der ehemalige Skispringer.
Was in ihm vorgegangen sei, als er es dann ganz nach oben geschafft habe, wollte der Moderator wissen. „Die ganzen Trainingsbilder gehen einem noch mal durch den Kopf und man merkt, dass sich die Mühen gelohnt haben“, beschrieb Hannawald die Momente seiner sportlichen Erfolge.
Neid auf Konkurrenten habe er niemals empfunden: „Mit Martin Schmitt habe ich nie die Freundschaft verloren, diese wurde mit den Erfolgen von uns beiden nur noch stärker“.
Zusammen mit dem ehemaligen Skispringer Schmitt moderiert Hannawald nun beim Fernsehsender Eurosport: „Dort schwelgen wir noch manchmal in Erinnerungen“.

Die Saison 2001/2002 war die erfolgreichste Hannawalds. „Ich hatte davor eine lange Ruhepause“, berichtete der Sportler. „Ich habe schnell gemerkt, dass in diesem Jahr etwas geht“.
Wie man es denn schaffe, sich auf den Punkt zu konzentrieren, wollte Schultis wissen. „Die Pausen vor dem Wettkampf sind das Wichtigste! Diese geben einem die Luft, um wieder anzugreifen“, erläuterte Hannawald. Diese Pausen müssten dringend genommen werden: „Ich habe, während die anderen Pause gemacht haben, oft weitergearbeitet und war dann körperlich platt“, berichtete der ehemalige Skispringer. Pausen zu machen und Ruhephasen einzulegen habe er erst lernen müssen – heute gebe er diese Erfahrungen als Unternehmensberater weiter, so Hannawald.

Als größten Triumph bezeichnete der ehemalige Skispringer den Gewinn Vierschanzentournee: „Da wollte ich schon als Kind dabei sein und gewinnen“, erinnerte er sich. Der Olympiasieg sei eindeutig ein Highlight, aber auch sehr tagesform-abhängig: „Die Vierschanzentournee steht für mich über allem!“

Der Erwartungsdruck von außen hätte ihm nicht so zugesetzt, aber die eigenen Erwartungen an sich selbst seien enorm hoch gewesen: „Vor dem entscheidenden Sprung in Bischofshofen (zum Gewinn der Vierschanzentournee) habe ich schon an alles Mögliche in der Zukunft gedacht. Ich war froh, als ich mich auf der Schanze endlich losgeschoben habe“, erinnerte Hannawald sich.
Direkt nach dem Sieg hätten alle Gefühle erst einmal raus gemusst, den Tourneegewinn habe er damals gar nicht einordnen können. Er habe sich vielmehr wie in einem Trancezustand gefühlt.

Den Olympiasieg im Teamspringen genoss Hannawald sehr: „Ein Mannschaftstitel ist irgendwie noch schöner, weil sich vier Leute freuen können“.
Die Wahl zum Sportler des Jahres 2002 vor Basketballspieler Dirk Nowitzki und Rennfahrer Michael Schumacher habe ihn sehr geehrt: „Aber ich habe nicht gedacht, ich wäre besser als die beiden!“, unterstrich er.
Den Gewinn des „Gold-Otto“ der Jugendzeitschrift „Bravo“ als Teenager-Idol quittierten die Volksbank-Kunden mit freundlichem Lachen. „Ich habe den Ruhm schon genossen und auch, mal in andere Welten abtauchen zu können. Durch meine Eltern bin ich aber sehr geerdet und weiß, wo ich herkomme!“, fügte Hannawald an.

DER ABSTURZ

Er habe immer den „perfekten Sprung“ machen wollen, berichtete Hannawald. „Ein- oder zweimal bin ich nahe daran gewesen“, schmunzelte er.
Nach den sportlichen Erfolgen, dem Dasein als Teenager-Idol und ausgestattet mit zahlreichen Werbeverträgen, habe er sich aber auch immer die Frage gestellt, was er nach seiner Sportler-Karriere tun solle.

Ob der eigene Erfolgsdruck krankhaft wäre, fragte Schultis. „Das ist typspezifisch – es bekommen ja nicht alle Skispringer einen Burnout! Es lag an mir – ich war schon immer Perfektionist, das bekommst Du aus den Leuten nicht raus“, erläuterte Hannawald.
Man müsse ein Bewusstsein für Erholungsphasen schaffen, auf die Signale des Körpers hören, den Teufelskreis des Perfektionismus durchbrechen: „Beim Golf spielen kann ich jetzt Pausen machen“, berichtete er.

In der Saison 2003/2004 kam für Hannawald der „sportliche Abstieg“: „Ich konnte nicht mehr abschalten. Zum ersten Mal merkte ich, dass ich auf das Skispringen keine Lust hatte“, erinnerte sich der Sportler. Müde und ruhelos habe er sich gefühlt, die Ärzte konnten hierfür allerdings keine Ursache finden. „In Ruhephasen wurde die innere Unruhe mehr“, berichtete er. „Man hat das Gefühl, als ob es bei 30 Grad schneien würde“, beschrieb er seinen Zustand.
„Burnout gab es damals nicht“, erläuterte der ehemalige Skispringer. Er habe das Thema zuerst nicht ernst genommen und sei nach eineinhalbjährigen Arztbesuchen einfach heilfroh über eine Diagnose gewesen: „Den Klinikaufenthalt bei Kempten habe ich sofort gemacht“, berichtete er. Leider seien die acht Wochen Aufenthalt zu kurz gewesen, auch wenn er in dieser Zeit viel über das Thema Burnout erfahren habe.

Eine Folgetherapie machte Hannawald in Freiburg: „Nach ein bis zwei Jahren kam ich wieder relativ gut zurecht“, erinnerte er sich. Schwer sei es gewesen, nicht in alte Muster zurück zu fallen: „Der Körper und der Kopf sind eben keine Lichtschalter!“.

Sponsorenverträge wären zu dieser Zeit immer zweitrangig gewesen: „Diese waren nur monetär – die Gesundheit geht vor!“. Die Solidarität unter den Kollegen sei durchaus schwierig gewesen: „Burnout war damals neu! Der Umgang mit einem Betroffenen war für die Kollegen nicht einfach“, berichtete der Sportler.

WIEDERGEFUNDENE BALANCE

Eine Rückkehr in den Skisprungsport habe er in kleinen Schritten versucht, so Hannawald: „Das Springen hat sich gut, aber das Training hat sich komisch angefühlt“, erinnerte er sich. Aus Sorge vor einem Rückfall habe er auf eine Comeback verzichtet: „Der Kopf wollte zwar, aber das Gefühl sagte Nein“.

Mit Blick auf seine Zukunft nach der sportlichen Karriere habe er ein großes Loch in sich gefühlt, so Hannawald. Den Motorsport habe er dann als Hobby entdeckt: „Hobbys sind wichtig um Stress abzubauen“, betonte er. Allerdings stimme heutzutage der sportliche Aufwand als Ausgleich nicht mehr: „Die Leute denken, sie müssten gleich einen Marathon laufen!“.

Wie wichtig ihm denn eine Familie gewesen sei, wollte Schultis wissen. „In einem Interview habe ich einmal gesagt, Familie komme erst nach der Karriere – das sagt viel über mich aus!“, analysierte Hannawald.
Seine Familie – seine Eltern, seine Geschwister - sei ihm damals aber überaus wichtig gewesen.

DIE GEGENWART

Einen „Teilhab-Bär“ der Volksbank Breisgau Nord überreichte Schultis Hannawald für dessen kleinen Sohn. Mit der ehemaligen Fußballerin Melissa Thiem hat der Sportler mittlerweile eine Familie gegründet.
Zusammen mit Skispringer Kollegen Martin Schmitt kommentiert Hannawald für den Fernsehsender Eurosport: „Sport-Reporter zu sein ist positiver Stress. Als Experte bekommt man von dem Geschehen auch Sachen mit, die man als Sportler nicht bemerkt“.
Seit 2016 ist Hannawald zusammen mit Sven Ehricht als Unternehmensberater tätig: „Ich möchte das Bewusstsein für eine Balance im Leben vermitteln“, hat sich der ehemalige Skispringer zum Ziel gesetzt. „Es warten viele Aufgaben auf mich. Die Leute sollen ihren eigenen Alltag ausleuchten und Verbesserungsmöglichkeiten finden. Immer nur zusammenreißen führt eben nicht nur zu einer Grippe, sondern im schlimmsten Fall, wie bei mir, zu einem Burnout“, warnte der Sportler abschließend vor übermäßigem Stress.

Fritz Schultis dankte Hannawald für die Einblicke in dessen Leben und Krankheit und betonte ebenfalls die Wichtigkeit, Ausgleiche zu finden. „Sven Hannawald ist ein besonderer Mensch, wir haben heute eine herausragende Geschichte gehört und Einblicke in ein Sportlerleben gewonnen. Jeder muss die Verantwortung für sich selber übernehmen“, zog er unter großem Applaus ein Fazit.
„Wenn jeder nur fünf Minuten über das heutige Thema nachdenkt war der Abend erfolgreich!“, so der Moderator. Die Kernbotschaften von Hannawald und der Volksbank Breisgau Nord würden jedenfalls übereinstimmen, merkte er an.

Schultis dankte dem Organisationsteam um Udo Deutscher (Leiter Marketing/Öffentlichkeitsarbeit Volksbank Breisgau Nord) und den anwesenden Unternehmern für ihr Kommen und ihre langjährige Verbundenheit.
„Bleiben Sie in Balance!“, riet Schultis den Gästen abschließend.

Bei einem Imbiss und einem Umtrunk (geliefert vom Restaurant Sonne, Malterdingen) fanden sich die Volksbank-Kunden zu anregenden Gesprächen ein.
Sven Hannawald stand geduldig für Fragen, Fotos und Autogramme zur Verfügung.

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