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RegioTrends

Stadtkreis Freiburg - Freiburg

18. Dec 2017 - 17:00 Uhr

Weihnachtspressefahrt des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes - Verbandspräsident Räpple sprach über wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft

Zur traditionellen Weihnachtspressefahrt des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes sprach Verbandspräsident Werner Räpple über die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft. „Unsere Veredelungs- und Milchviehbetriebe haben die Krise überwunden“, erklärte der Bauernpräsident erleichtert. „Gestiegene Erzeugerpreise
für Schweinefleisch und Milch sorgen für einen deutlichen Aufschwung, hingegen mussten Ackerbauern wegen schlechter Ernte und niedriger Getreidepreise wieder Verluste hinnehmen.“ Im bundesweiten Schnitt seien die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe um 34 Prozent auf 56.833 Euro je Betrieb gestiegen; Baden-Württemberg liege, trotz vergleichbaren Zuwachses, mit 49.860 Euro je Betrieb weit unter dem Durchschnitt, berichtete der BLHV-Präsident.

„Die kräftigen Zuwächse der Unternehmensergebnisse tierhaltender Betriebe lassen die Landwirte wieder aufatmen, die vergangenen Krisenjahre gingen jedoch an die wirtschaftliche Substanz, diese muss jetzt wiederaufgebaut werden. Zudem wurden wichtige Investitionen zurückgestellt, die nachgeholt werden müssten“, so Räpple. In den vergangenen beiden Wirtschaftsjahren konnten landwirtschaftliche Betrieb durchschnittlich nur 3.300 Euro zur Eigenkapitalbildung zurückstellen. Zur nachhaltigen Existenzsicherung wären jedoch 10.000 bis 20.000 Euro notwendig gewesen. Da von den Unternehmensergebnissen noch die Familienarbeitskräfte sowie Sozialabgaben abgezogen werden müssten, bleibe, trotz der positiven Tendenz, für die betriebliche Entwicklung nicht mehr viel übrig. Damit sich die Situation auf den Betrieben wieder normalisiere, müsse sich in den kommenden Jahren ein deutlich positiver Trend in den Betriebsabschlüssen durchsetzen, so Räpple.

Die Veredelungsbetriebe erwirtschafteten ein Unternehmensergebnis von 77.874 Euro, das ist deutlich mehr als noch im Wirtschaftsjahr 16/17. Je nicht entlohnter Familienarbeitskraft beträgt das Unternehmensergebnis rund 48.955 Euro. Auch für die Milchviehbetriebe in Baden-Württemberg endete das Wirtschaftsjahr 16/17 mit einem Plus: ihr Unternehmensgewinn konnte um 30 Prozent auf 55.5630 Euro pro Betrieb gesteigert werden, je nicht entlohnter Familienarbeitskraft entstand ein Unternehmensergebnis von 38.027 Euro. Die Betriebsergebnisse der Ackerbauern sind seit einigen Jahren konstant auf Talfahrt. Das Unternehmensergebnis des Wirtschaftsjahres 16/17 liegt nur noch bei rund 33.000 Euro, das sind 9 Prozent weniger als im vorherigen Wirtschaftsjahr und sogar 40 Prozent weniger als im Wirtschaftsjahr 12/13. Je nicht entlohnter Familienarbeitskraft beträgt das diesjährige Unternehmensergebnis der Ackerbauern 22.987 Euro.

Das Wirtschaftsjahr 16/17 der Sonderkulturbetriebe, dazu zählt der insbesondere Obstbau, spiegelt noch nicht die Auswirkungen der katastrophalen Frostnächte im April wider, da die betroffene Ernte noch nicht verrechnet wurde. Deshalb zeigen hier die betriebswirtschaftlichen Auswertungen der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der Ländlichen Räume (LEL) eine positive Entwicklung an. Hiernach
betragen die bereinigten Gewinne der Obstbauern rund 60.000 Euro, die der Weinbauern rund 48.000 Euro. Präsident Räpple blickt jedoch mit Sorge auf das laufende Wirtschaftsjahr der Obstbauern und Winzer. „Dem Land wurden rund 120 Millionen Euro Frostschäden, davon 92 Millionen im Obstbau und 27 Millionen im Weinbau, gemeldet. Das sind existenzbedrohende Verluste, die viele Betriebe ohne die Unterstützung des Landes nicht verkraften würden“, so Räpple. Von den 50 Millionen
Euro Frosthilfe, die das Land den Betroffen zu Verfügung stelle, werde jeder Cent benötigt. „Der Einsatz des Landes für die Sonderkulturbetriebe ist sehr lobenswert“, erklärte Räpple.

Nachdem sich die Unternehmensergebnisse der Biobetriebe in Deutschland in den vergangenen Jahren konstant nach oben entwickelten, gab es nun im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderung. Sie schließen im Bundesdurchschnitt mit rund 79.000 Euro ab. Grund für die Stagnation waren vor allem gestiegene Aufwandskosten bei kaum veränderten Erzeugerpreisen. Laut Berechnungen der LEL mussten die Biobetriebe in Baden-Württemberg jedoch Verluste gegenüber dem Vorjahr hinnehmen.

Die LEL berechnete auch die Nettorentabilität der Haupterwerbsbetriebe in Baden-Württemberg. Sie sagt aus, zu wieviel Prozent die eingesetzten Produktionsfaktoren entlohnt werden konnten. Demnach konnten nur im Obstbau und in der Schweinehaltung alle Produktionsfaktoren voll entlohnt werden. In der Milchviehhaltung beträgt die Nettorentabilität 80 Prozent und im Getreidebau sogar nur 49 Prozent.

BLHV-Präsident Werner Räpple äußerte sich anlässlich der Weihnachtspressefahrt zum Beitrag der heimischen Landwirtschaft zur Förderung der Biodiversität sowie zur Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. „Landwirte betreiben aktiv Natur- und Artenschutz, indem sie zum Beispiel auf Feldabschnitten Blühstreifen für Insekten anlegen oder indem sie im Spätjahr blühende Zwischenfrüchte anbauen anstatt über
den Winter eine Ackerbrache anzulegen“, so Räpple. Um dafür eine Aufwandsentschädigung zu erhalten, können Landwirte spezielle Agrarumweltmaßnahmen beantragen. Die Agrarumweltmaßnahme „Brachebegrünung mit Blühmischung“ wurde von rund 5.000 Landwirten in Baden-Württemberg beantragt, das ist zirka jeder achte landwirtschaftliche Betrieb im Land. Die Zahlen belegen, dass es den Landwirten ein wichtiges Anliegen ist, Lebensräume für Insekten in der Kulturlandschaft zu schaffen. „Die Biodiversitätsstrategie des Landes sieht vor, solche Maßnahmen für Landwirte attraktiver zu gestalten“, erklärte der Verbandspräsident. Er sei sich sicher, dass die südbadischen Landwirte das zusätzliche Angebot sehr gut nachfragen würden.

Räpple bemängelte, dass es keine validen Daten zur Entwicklung der Biodiversität in Baden-Württemberg gebe. Das Vorhaben des Landes, mehr Geld in die Forschung und in das Monitoring der Artenvielfalt zu investieren, wird daher vom Verbandspräsidenten begrüßt. Verlässliche wissenschaftliche Studien müssten auch weiterhin die Grundlage für Umweltmaßnahmen in der Landwirtschaft sein, das gelte auch für die
Zulassung von chemischen Pflanzenschutzmitteln, forderte Räpple. Die Wiederzulassung von Glyphosat beruhe zum Beispiel auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass eine Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier eindeutig ausgeschlossen sei. Das Totalherbizid ist in der südbadischen Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil des chemischen Pflanzenschutzes, in der Fläche spielt es jedoch eine untergeordnete Rolle. In Getreidebeständen und im Mais wird es nicht eingesetzt, da dann auch die Nutzpflanze geschädigt würde, ebenso bei der Grünlandpflege. Glyphosat kann zur Unkrautregulierung im Weinbau oder zur Stoppelbearbeitung nach der Getreideernte oder vor der Aussaat eingesetzt werden. Wichtig sei das Totalherbizid für bodenschonende Anbaumethoden, erklärte Räpple. „Ackerbauern, die Minimalbodenbearbeitung praktizieren, müssen Glyphosat einsetzen, um auf den Pflug verzichten zu können“, so Räpple. „Diese besondere Wirtschaftsweise fördert die Artenvielfalt im Boden, trägt zum Grundwasserschutz bei und verbessert die allgemeine Bodenfruchtbarkeit“.

Erwartungen der südbadischen Bäuerinnen und Bauern an die neue Bundesregierung:

In einer neuen Bundesregierung muss die Agrarpolitik mit einem starken Ministerium vertreten sein, welches sich für ein Leitbild einer vielfältigen, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft in bäuerlicher Hand einsetzt. Landwirtschafts- und Umweltpolitik müssen in Berlin auf Augenhöhe stattfinden, deshalb lehnen wir eine höhere Gewichtung des Umweltressorts ab und fordern, dass die Verantwortung für den ländlichen Raum und die Landwirtschaft im politischen Gleichgewicht getragen wird. Landwirtschaft und der ländliche Raum können nicht auseinanderdividiert werden, dieser Grundsatz muss bei der Ressortverteilung berücksichtigt werden. Für eine aussichtsreiche Zukunft unserer landwirtschaftlichen Familienbetriebe brauchen wir einen starken ländlichen Raum - und so gilt es auch andersherum.

In fünf Schwerpunkten haben wir die Erwartungen der südbadischen Bäuerinnen und Bauern an die neue Bundesregierung zusammengefasst:

Europäische Agrarpolitik:
Das Zwei-Säulen-Modell und die Direktzahlungen müssen in der europäischen Agrarpolitik erhalten bleiben. Mittel der Ersten Säule sind wesentliche Bestandteile des landwirtschaftlichen Einkommens, eine Umschichtung lehnen wir deshalb konsequent ab. Wir begrüßen eine Ausweitung des Zuschlags für die ersten Hektare auf 100 ha, um das bewährte Säulenmodell für kleine und mittelgroße Betriebe zukunftsfähig zu gestalten. Dazu dienen auch Maßnahmen zur Vereinfachung des Greenings sowie Initiativen zur Entbürokratisierung des Verwaltungs- und Kontrollapparates.

Risikomanagement:
Die Frostkatastrophe im April hat schmerzhaft deutlich gemacht, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um landwirtschaftliche Betriebe mit besseren Instrumenten zur eigenverantwortlichen Risikovorsorge auszustatten. Zur finanziellen Selbsthilfe empfehlen wir dringend die Einführung einer steuerbegünstigten Risikorücklage. Zudem sollte zur
Prävention von Frost- und Dürreschäden der Ausbau von Frostschutzberegnungsanlagen über eine Anpassung der Förderbedingungen der GAK unterstützt werden. Als komplementäres Instrument des betrieblichen Risikomanagements sollten staatlich unterstütze Versicherungslösungen weiterverfolgt werden. Im Milchsektor sollten extreme Preisschwankungen und Marktkrisen weiterhin mit der öffentlichen Intervention von Milchprodukten und der Förderung der Privaten Lagerhaltung verhindert werden.

Mindestlohn:
Eine weitere Erhöhung des Mindestlohns werden die arbeitsintensiven Sektoren der Landwirtschaft nicht verkraften können, da steigende Lohnkosten nicht über den Markt refinanziert werden können. Daher muss für die in der Landwirtschaft beschäftigen Saisonarbeiter ein branchenspezifischer Mindestlohn gelten, der die wirtschaftliche Realität
der Erzeugermärkte widerspiegelt. Ebenso müssen die Arbeitszeitregelung sowie die Aufzeichnungspflichten an die landwirtschaftliche Praxis flexibel angepasst werden. Als notwendig erachtet wir die Verlängerung der bewährten „70-Tage-Regelung“, damit Saisonarbeitskräfte über einen längeren Zeitraum versicherungsfrei beschäftigt werden können. Gleichzeitig fordern wir, die Anwendung der „70-Tageregelung“ zu erleichtern, indem das Kriterium der fehlenden
Berufsmäßigkeit gestrichen wird.

Tierhaltung in Süddeutschland:
Wir lehnen ein Verbot der Anbindehaltung ausdrücklich ab, eine gesetzliche Regelung würde einen massiven Strukturbruch in der traditionellen Milchviehhaltung des Schwarzwaldes auslösen. Der Umstieg in andere Haltungsformen muss durch Beratung und Förderung vereinfacht werden. In unserer kleinstrukturierten Nutztierhaltung ist nur die örtliche Betäubung bei der Ferkelkastration, durchgeführt vom
Tierhalter selbst, eine langfristige Alternative zur Immunokastration, zur Vollnarkose sowie zur Ebermast. Der sogenannte „Vierte Weg“ erfüllt sowohl die Anforderungen an das Tierwohl, des verarbeitenden Gewerbes sowie des Verbrauchers.

Ländlicher Raum:
Hochwertige landwirtschaftliche Nutzfläche muss besser vor der Inanspruchnahme durch Siedlungs- und Infrastrukturmaßnahmen geschützt werden. Dafür müssen insbesondere die Akzeptanz von produktionsintegrierten Ausgleichsmaßnahmen und auch die Aufwertung vorhandener Biotope als naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahme gefördert werden. Für eine flächendeckende Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellem Internet muss ein ausreichend gefüllter Fördertopf aufgestellt werden, dessen Mittel unbürokratisch von den Akteuren abgerufen werden können.

(Presseinfo: Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V., 18.12.2017)


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