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Ortenaukreis - Lahr

15. Mar 2023 - 15:05 Uhr

Geschlechtergerechte Gesellschaft: Es gibt noch viel zu tun - Staatssekretärin Sandra Boser war zu Gast bei Frauenpolitischem Frühstück in Lahr

Geschlechtergerechte Gesellschaft: Es gibt noch viel zu tun - Staatssekretärin Sandra Boser war zu Gast bei Frauenpolitischem Frühstück in Lahr.

Foto: Frauenpolitisches Forum Lahr
Geschlechtergerechte Gesellschaft: Es gibt noch viel zu tun - Staatssekretärin Sandra Boser war zu Gast bei Frauenpolitischem Frühstück in Lahr.

Foto: Frauenpolitisches Forum Lahr

Am Samstag (11. März 2023) lud das Frauenpolitische Forum Lahr in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Lahr alle Frauen zu einem Frauenpolitischen Frühstück ein. Die Veranstaltung fand am Vormittag im Aktion Treffpunkt in Lahr statt. Rund 60 Frauen waren der Einladung gefolgt.

Als Ehrengast referierte die Staatssekretärin im Ministerium für Kultur, Jugend und Sport, Sandra Boser. Das Thema Gleichstellung sei in den Köpfen verankert, aber bis zur konsequenten Umsetzung sei es noch ein weiter Weg. Bereits Artikel drei des Grundgesetzes gebe vor, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern – und dennoch müssten Frauen noch immer darum kämpfen, gleichwertig entlohnt zu werden und Anerkennung für unbezahlte Pflege- und Hausarbeit zu erhalten. Weltweit würden Frauenrechte durch populistische und rechtsextreme Regierungen zurückgeschraubt. Im regionalen Bezug zeige sich, dass Frauen in Baden-Württemberg im Jahr 2022 durchschnittlich 23 Prozent weniger verdient hätten als Männer.

Es gibt noch viel zu tun – auch in Baden-Württemberg:
Für eine geschlechtergerechte Gesellschaft ohne Stereotypen werden konkrete Konzepte und Strategien benötigt. Staatssekretärin Boser berichtete, dass das federführend zuständige Sozialministerium dabei ist, eine ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie zu entwickeln. Sie zielt darauf ab, Mitbestimmung und Teilhabe von Frauen zu gewährleisten und ihnen gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten zu Ressourcen und Führung zu verschaffen. Aktuell liege der Anteil an Frauen im Landtag noch immer bei knapp 30%. Der sogenannte Gender Care Gap beziffere den geschlechtsspezifischen Unterschied im Umfang unbezahlter Sorgearbeit, die täglich geleistet werde. Während der Corona-Pandemie sei dieser Gap noch einmal deutlicher geworden. Die Bedeutung von Sorgearbeit einerseits und die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie hätten die Brisanz erhöht und vielfach sogar für Rückschritte in der Gleichstellung gesorgt. Der Dritte Gleichstellungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2021 belege, dass Frauen 52,4 Prozent mehr Zeit auf unbezahlte Sorgearbeit verwenden als Männer.

Geschlechtergerechtigkeit von Anfang an:
Dieser Entwicklung wolle sich das Land Baden-Württemberg mit aller Kraft entgegenstellen und bereits bei der Kinderbetreuung und der frühkindlichen Bildung damit beginnen. So werde beispielsweise die finanzielle Förderung im Bereich Kindergarten um weitere 65 Millionen Euro auf gut 990 Millionen Euro erhöht und das Land werde sich an den Mehrkosten der Tagespflege mit bis zu 2,9 Millionen Euro pro Jahr beteiligen. Gemeinsam mit Trägerverbänden, Kirchen, Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit sowie vielen weiteren Organisationen wurde die Initiative „ErzieherInnen in Baden-Württemberg“ gestartet (www.erzieher-in-bw.de), um gezielt zusätzliches Personal zu finden und bereits ausgebildetes Personal länger im Berufsfeld zu halten. Eine gute Personalausstattung sei die Grundlage für die Auseinandersetzung mit wichtigen pädagogischen Fragestellungen sowie die Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit.

Der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in Baden-Württembergischen Kindertagesstätten aus dem Jahr 2011 thematisiert eine geschlechtergerechte Bildung und Erziehung. Betont wird darin die wichtige Rolle der Erzieherinnen und Erzieher, die aufgrund ihres eigenen Rollenverständnisses die Bedürfnisse von Mädchen und Jungen sensibel wahrnehmen, reflektieren und geschlechtergerecht handeln. Eine geschlechtersensible und -gerechte Bildung fördere nicht nur den Prozess der Identitätsbildung, sondern wirke auch der Verfestigung von Rollenklischees und Stereotypen entgegen. Es fänden Gespräche mit den Kommunen und Verbänden der Träger statt, um in eine verbindliche Umsetzung einzusteigen.

Auch im Ausbildungskontext ist das Thema Geschlechtergerechtigkeit fest verankert. Angehende Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter erarbeiten anhand der eigenen Geschlechtersozialisation, der Beschäftigung mit Entwicklungstheorien und der Beobachtung von geschlechtsspezifischem Gruppenverhalten eigene Ziele und Ideen zur Umsetzung einer geschlechtergerechten Pädagogik. Das Land Baden-Württemberg hat ein Forum für Frühkindliche Bildung geschaffen, das den Austausch zwischen angehenden Fachkräften ermöglicht, wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis zur Verfügung stellt, Vortragsreihen zu zentralen Themen anbietet, Fort- und Weiterbildungsangebote entwickelt und Dialogräume im Rahmen von Fachtagungen, Foren und Netzwerken schafft.

Geschlechtergerechtigkeit in der Schule:
Anders als im Kitabereich ist das Land Baden-Württemberg für die Schulen unmittelbar zuständig. Das Thema Geschlechtergerechtigkeit ist seit 2016 in den Bildungsplänen der allgemeinbildenden Schulen fest verankert. In der Grundschule gehe es beispielsweise im Sachunterricht um die körperliche Veränderung beider Geschlechter auf dem Weg zur Adoleszenz. In der Sekundarstufe würden Geschlechterzuschreibungen und Klischees im Alltag hinterfragt und die sprachliche Zuschreibung von Geschlechterrollen diskutiert. Auch in den naturwissenschaftlichen Fächern gehöre es zum Bildungsauftrag, Geschlechterstereotype bezüglich Interessen und Berufswahl näher zu beleuchten. Letztlich trage auch das Unterrichtsfach Ethik dazu bei, dass sich Schülerinnen und Schüler stärker mit der Thematik der Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzen.

„Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“:
Mit der gleichnamigen Leitperspektive des Landes Baden-Württemberg wurde die Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit fach- und schulartenunabhängig verankert. Integraler Bestandteil ist die Auseinandersetzung mit der Vielfalt von Geschlechtern und sexuellen Orientierungen. Neben geschlechtersensibler Sprache spielt auch die klare Intervention gegen alle Formen von Sexismus, Schwulen- und Transfeindlichkeit im schulischen Raum eine wichtige Rolle. Es ginge darum, eigene Prägungen zu reflektieren und Zivilcourage gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt zu erwerben. Auch die Leitperspektive soll einen verbindlicheren Charakter erhalten und Lehrkräfte im Rahmen von Fortbildungen dabei unterstützen, ihren Unterricht gendergerecht zu gestalten.

Geschlechtergerechtigkeit in der Berufsbildung:
Das Kultusministerium konzentriere sich hinsichtlich der Geschlechtergerechtigkeit stark auf die Gestaltung der Berufsorientierung – und dafür gäbe es gute Gründe, so Sandra Boser. Mehr als 50% der jungen Frauen würden sich bei der Berufswahl – anders als Männer – auf ein sehr enges Spektrum konzentrieren und vorrangig kaufmännische und Dienstleistungsberufe auswählen. Noch immer kämen für sie gewerblich-technische bzw. MINT-Berufe zu wenig in Betracht. Gründe dafür sieht Boser möglicherweise darin, dass es in den MINT-Berufen zu wenig sichtbare weibliche Vorbilder gäbe bzw. auch das Elternhaus die Entscheidung für einen traditionellen Frauenberuf verstärken könne. Damit werde eine klischeefreie und talentorientierte Berufswahl erschwert. Nicht das Elternhaus oder das Geschlecht dürfe darüber entscheiden, welchen Berufsweg der junge Mensch einschlage – dies solle einzig und allein von seinen Interessen und Kompetenzen abhängen.

Das Kultusministerium arbeite in der Landesinititative „Frauen in MINT-Berufen“ eng mit dem Wirtschaftsministerium zusammen, um bei jungen Frauen das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken und die Chancen beim Ergreifen eines naturwissenschaftlich-gewerblich-technischen Berufes aufzuzeigen. Mithilfe geschlechtersensibler Sprache sollen sich Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern wie z.B. Physik, Mathematik und Informatik expliziert angesprochen und inkludiert fühlen. Weitere Angebote wie beispielsweise die Hector-Kinderakademie zur Förderung hochbegabter Grundschulkinder, außerschulische Forschungszentren mit gendersensiblem Schwerpunkt und der jährlich stattfindende Girls Day werden ebenfalls vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg unterstützt. Hierzu zählt auch das Präventionsrahmenkonzept „stark.stärker.WIR.“, das die Schulen dabei unterstützt, präventive Strukturen zu etablieren, um in schwierigen, diskriminierenden Situationen gewappnet zu sein.

Geschlechtergerechtigkeit auch in den Medien:
Vor allem Medienkompetenz sei für das Thema Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiger Bereich, so Boser. Junge Mädchen in der Pubertät würden nach Orientierungshilfen zur Festigung ihrer Persönlichkeit und ihres eigenen Körperbildes suchen und sich hierzu oftmals der Vorlagen aus dem Netz bedienen, die Stars und Influencer mit einem perfekten Körper präsentieren. Ein starker, verlässlicher Partner für Medienkompetenz und Jugendmedienschutz sei hier das Landesmedienzentrum, das sowohl Pädagoginnen und Pädagogen als auch Eltern entsprechende Handlungs- und Präventionsempfehlungen geben könne.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte anschließend Guillemette Studer, Lehramtsanwärterin an einer Ortenauer Realschule mit den Fächern Mathematik und Musik, in einem sehr kurzweiligen Vortrag die Ergebnisse ihrer Masterarbeit zum Thema „Repräsentation von Geschlechterrollen in der Sekundarstufe I“ vor. Anhand von Beispielen aus zwei Mathematiklehrbüchern zeigte sie auf, wie tradierte Rollenbilder und Klischees sich in den gestellten Mathematikaufgaben wiederfinden und warum die Benutzung einer Sprache ohne Geschlechterstereotypen in der Schule wichtig, und nicht eine unnötige Verkomplizierung ist. Sie erklärte, wie sowohl der Schulalltag und die verwendeten Medien einen großen Einfluss auf Lernende, Lehrende und Eltern in Bezug auf die Vorstellung von Geschlechterrollen haben, als auch die Schule selbst, die neben dem Elternhaus die Grundlagen für die Gleichstellung von Frauen und Männern schafft.

Guillemette Studer erinnerte daran, dass Schulbücher die Grundwerte einer Gesellschaft spiegeln und der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule nicht nur in der Vermittlung von Wissen besteht, sondern auch darin, bei den Lernenden eine geschlechtsunabhängige Berufsfindung zu fördern und sie dabei zu unterstützen, die Weichen für ihr Leben möglichst klischeefrei zu stellen und ihr volles Potential zu entfalten.

Abschließend hatten die Zuhörerinnen die Möglichkeit, Fragen an beide Vortragenden zu stellen. Dabei wurde deutlich, dass eine tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit sowohl im beruflichen als auch im privaten und gesellschaftlichen Bereich noch lange nicht erreicht ist. Es muss jedoch ein erklärtes Ziel sein, langfristig echte Gleichstellung in allen Lebensbereichen zu schaffen.

Die nächste Veranstaltung des Frauenpolitischen Forums Lahr findet voraussichtlich im Herbst dieses Jahres zum Thema Gewalt an Frauen statt. Als Ehrengast wird dann Marion Gentges, Ministerin der Justiz und für Migration des Landes Baden-Württemberg teilnehmen.

Weitere Informationen zur Arbeit des Frauenpolitischen Forums Lahr sowie zu Möglichkeiten zur Mitarbeit erhalten Sie beim Frauenpolitischen Forum Lahr, Tel: 07821 / 327 1145 oder per E-Mail: gleichstellung@lahr.de.

(Presseinfo: MGH Lahr - Frauenpolitisches Forum Lahr, 15.03.2023)


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