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Ortenaukreis - Oberkirch

25. Mai 2023 - 08:40 Uhr

Stolpersteine in der Stadtgartenstraße erinnern an verfolgte Mitmenschen - „Die allermeisten Oberkircher haben mitgemacht und weggeschaut“

Mit drei Stolpersteinen wird im Gehweg vor der Stadtstraße 28 an deren ehemaligen Bewohner Clara und Dr. Siegfried Boss sowie deren Tochter Erna Magener gedacht | Bild: Ulrich Reich/Stadt Oberkirch
Mit drei Stolpersteinen wird im Gehweg vor der Stadtstraße 28 an deren ehemaligen Bewohner Clara und Dr. Siegfried Boss sowie deren Tochter Erna Magener gedacht | Bild: Ulrich Reich/Stadt Oberkirch
Der Künstler Gunter Demnig verlegte am Dienstagnachmittag – 23. Mai 2023 – drei Stolpersteine in der Oberkircher Stadtgartenstraße. Oberkirch nun Teil eines europaweiten Erinnerns an verfolgte Mitmenschen. Sonderausstellung des Heimat- und Grimmelshausenmuseum beleuchtet Schicksal der Familie Boss.

Ende Mai 2023 wird der Kölner Künstler den 100.000 Stolperstein in Nürnberg verlegen. Nur wenige Tage vorher verlegte er für Clara und Dr. Siegfried Boss sowie deren Tochter Erna Magener je einen Stolperstein im Gehweg vor dem Haus Stadtgartenstraße 28 in Oberkirch. Gunter Demnig entwickelte 1992 das KunstDenkmal Stolpersteine. Ihm ging es dabei um ein individuelles Gedenken an die Opfer des NS-Regimes. Die Nationalsozialisten wollten die verfolgten Menschen zu Nummern machen und so ihre Identität auslöschen. Mit den verlegten Stolpersteinen will Demnig dies rückgängig machen und die Namen wieder in die Straßen und Städte zurückholen. 1996 verlegte der Künstler die ersten Stolpersteine in Berlin-Kreuzberg. Damals noch ungenehmigt, was im Nachgang legalisiert wurde. Inzwischen sind europaweit Städte und Gemeinden Teil des KunstDenkmals geworden. Mit den 96 x 96 Millimeter großen Messingtäfelchen sollen die Namen wieder zurückgebracht und an jedes einzelne Schicksal erinnert werden. Jeder Stein wird dabei per Hand gefertigt und per Hand verlegt. Gunter Demnig verlegt bis auf wenige Ausnahmen alle Steine selbst. Die drei nun unter großer Anteilnahme in Oberkirch verlegten Steine wurden aus der Mitte der Bürgerschaft finanziert.

Würdiges Gedenken an verfolgte Mitmenschen
Bürgermeister Christoph Lipps sprach ein kurzes Grußwort und betonte, wie wichtig es sei wider das Vergessen zu arbeiten. Er dankte allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren wichtigen Beitrag zur Umsetzung in Oberkirch. Stadtarchivarin Dr. Irmgard Schwanke stellte das KunstDenkmal Stolpersteine vor und erläuterte die Hintergründe zu der Verlegung in Oberkirch. Sie stellte den Anwesenden auch die Biographien von Clara und Dr. Siegfried Boss und deren Tochter Erna Magener vor. „Die allermeisten Oberkircher haben mitgemacht und weggeschaut“, brachte sie die hiesigen Verhältnisse der damaligen Zeit auf den Punkt. Diakon Roland Deusch, Schülerinnen der neunten Klassen der Realschule Oberkirch sowie ein Blechbläserensemble der Stadtkapelle Oberkirch trugen mit ihren Beiträgen zum sehr würdigen Rahmen der Stolpersteinverlegung bei.

Bis zu ihrer Deportation im August 1942 in das Lager Theresienstadt lebte Clara Boss in der Stadtgartenstraße 28. Clara Boss starb im Januar 1943 in dem Lager. Dr. Siegfried Boss soll sich laut einem Zeitzeugen bereits 1938 aufgrund der national-sozialistischen Verfolgung der Juden das Leben genommen haben. Tochter Erna Magener genoss dank ihrer Ehe mit einem „Arier“ zunächst einen gewissen Schutz. Doch im Januar 1945 wurde auch sie nach Theresienstadt deportiert. Sie hat die NS-Zeit überlebt. Das Haus in der Stadtgartenstraße blieb noch weit über das Kriegsende hinaus im Besitz der Kinder von Erna Magener. Clara Boss hatte es ihnen 1939 überschrieben, als Jüdinnen und Juden in Deutschland keinen Haus- und Grundbesitz mehr haben durften. Erna Magener ist nach dem Kriegsende nicht emigriert sondern in Deutschland geblieben. Sie hatte zwei Töchter, die jedoch keine Kinder hatten. Es gibt heute noch eine entfernte Verwandte in Kanada, welche allerdings von ihren Eltern nichts über ihre deutschen Vorfahren erfahren hat. Sie war über den Termin der Stolpersteinverlegung in Oberkirch informiert, konnte aber nicht kommen.

Sonderausstellung zum Schicksal der Familie Boss
Das Heimat- und Grimmelshausenmuseum beleuchtet das Schicksal der Familie Boss mit einer Sonderausstellung. Die Ausstellung „Familie Boss aus Oberkirch. Von Mitbürgern zu NS-Opfern.“ kann bis zum 10. September 2023 zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden: Dienstags und donnerstags von 15:00 bis 19:00 Uhr sowie sonntags von 10:00 bis 12:30 Uhr und von 14:00 bis 17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Hintergrund
Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 1.265 Kommunen Deutschlands und in 30 Ländern Europas.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud auf der Internetseite des KunstDenkmals. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Die Verlegungen sind dabei keine Routine; denn jedes Schicksal bewegt und soll bewusst bewegen. Auf den Steinen steht geschrieben: Hier wohnte... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.“

Jeder Stein ein Schicksal.


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