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23. Jun 2022 - 18:10 Uhr

Tag des Cholesterins 2022: „Je früher man gegensteuert, desto besser die Prognose“ - Nachbericht zur Sprechzeit vom 23. Juni 2022

Sprechzeit Cholesterin 

Quelle: clipdealer.com
Sprechzeit Cholesterin

Quelle: clipdealer.com

Expert:innen der Lipid-Liga informierten in der Sprechzeit

Dass zu hohe Cholesterinwerte Gesundheitsrisiken bergen, ist vielen Menschen bekannt. Doch nur wenige wissen, was die unterschiedlichen Blutfettwerte aussagen, wann und wie häufig man sie überprüfen lassen sollte und wie sich erhöhte Werte wieder senken lassen. Anlässlich des diesjährigen Tags des Cholesterins informierten Expertinnen und Experteninnen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen – kurz DGFF (Lipid-Liga) – in der Sprechzeit. Die wichtigsten Fragen und Antworten hier zum Nachlesen:

Ab welchem Alter und wie oft sollte man seine Blutfettwerte untersuchen lassen?
Prof. Dr. med. Peter Grützmacher: So früh wie möglich, weil hohe Blutfettwerte vererbt werden können. Werden diese bei Eltern festgestellt, sollten auch bei ihren Kindern die Blutfettwerte gemessen werden. Je früher man eine Fettstoffwechselstörung entdeckt und durch einen gesunden Lebensstil oder Medikamente behandelt, desto besser für die Blutgefäße. Erwachsene haben zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr einmalig Anspruch auf eine ärztliche Gesundheitsuntersuchung mit Bestimmung der Blutfettwerte, ab dem 35. Lebensjahr dann alle drei Jahre beim „Check-up 35“. Besser wäre aber, sie schon früher messen zu lassen. Wie oft dann eine Kontrolle erfolgen sollte, wird die behandelnde Ärztin/der Arzt festlegen. Nur bei Lipoprotein(a) ist das anders: Man sollte es wenigstens einmal im Leben messen lassen. Das ist ausreichend, da dieser Wert erblich bedingt ist und sich im Laufe des Lebens nicht wesentlich verändert.

Bei meiner letzten Blutuntersuchung wurde nur der Gesamtcholesterinwert gemessen. Warum?
Dr. med. Britta Otte: Das Gesamtcholesterin dient der ersten kostengünstigen Orientierung, ob sich Hinweise für eine ernstzunehmende Lipidstörung ergeben. Bei Werten unter 190 mg/dl ist dies eher unwahrscheinlich. Zur besseren Einschätzung sollte der Wert durch die Bestimmung des LDL- und HDL-Cholesterins sowie der Triglyzeride und mindestens einmal im Leben Lipoprotein(a) ergänzt werden. Außer der Bestimmung von Lipoprotein(a) gehören alle genannten Werte zum „Checkup-35“.

Warum sind hohe Blutfettwerte bei Menschen mit einem Diabetes mellitus oder Bluthochdruck besonders gefährlich?
Prof. Dr. med. Ulrich Julius: Diabetes und damit einhergehende erhöhte Blutzuckerwerte führen auf Dauer zu körperlichen Veränderungen, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Dazu gehören die Atherosklerose oder Arterienverkalkung mit Verengungen von Blutgefäßen – die Struktur des Herzmuskels verändert sich und die Fließeigenschaften des Blutes werden schlechter. Bei einem dauerhaft zu hohen Blutdruck muss das Herz übermäßig viel Pumparbeit leisten, zudem können sich dann noch leichter Ablagerungen sammeln – sogenannte Plaques. Diese bestehen unter anderem aus Cholesterin. Sind also auch die LDL-Cholesterinwerte erhöht, steigt das Risiko für die Plaquebildung und damit für Atherosklerose. Diese kann zu einem Verschluss von Blutgefäßen und in der Folge beispielsweise zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Was sagen die unterschiedlichen Blutfettwerte über meinen Gesundheitszustand aus?
Dr. med. Brigitte Öhm: Bei einem gesunden Menschen ohne Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung sollte das LDL-Cholesterin im Blut unter 116 mg/dl (bzw. 3 mmol/l) liegen. Als „normal“ gelten Triglyzerid-Werte bis 150 mg/dl (bzw. 1,7 mmol/l). Für alle anderen lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Ärzt:innen ermitteln immer ein Gesamtrisikoprofil eines Menschen. Dabei werden unter anderem die Familiengeschichte, das Alter, der Lebensstil, das Körpergewicht, Blutfettwerte und Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder eine chronische Nierenerkrankung berücksichtigt. Bei der Bewertung der gemessenen Blutfettwerte und der Entscheidung, auf welche Höhe sie bei Bedarf gesenkt werden müssen, geben die Leitlinien europäischer Fachgesellschaften Orientierung.

Verändern sich die Grenzwerte für LDL-Cholesterin mit dem Alter?
Prof. Dr. med. Reinhard Klingel: Wir alle werden mit sehr niedrigen LDL-Cholesterin-Werten geboren, die jedoch mit zunehmendem Alter ansteigen. Wichtig ist, das LDL-Cholesterin immer mit Blick auf das individuelle Risikoprofil für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu betrachten. Je höher dieses Risiko, desto niedriger liegen die von europäischen Fachgesellschaften empfohlenen Grenzwerte für LDL-Cholesterin, und umso intensiver müssen Maßnahmen sein, um erhöhte Werte zu senken. Das Alter spielt deshalb auch keine Rolle, wenn ein Mensch ein sehr hohes Risiko hat, beispielsweise weil er schon lange an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 leidet, eine chronische Nierenerkrankung und /oder Atherosklerose oder sogar schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hat. Dann empfehlen die Leitlinien, den LDL-Cholesterinwert auf 55 mg/dl (1,4 mmol) zu senken, mindestens aber auf die Hälfte des Ausgangswerts.

Wie beuge ich zu hohen Cholesterinwerten vor?
Dr. Fatima Goudjil: Grundsätzlich gilt ein gesunder Lebensstil als Fundament der Vorbeugung und jeder Therapie. Das wird leider noch immer unterschätzt, doch die Erfolge einiger Patient:innen zeigen, was durch Umstellungen im Lebensstil möglich ist. Dazu gehört eine mediterrane Ernährung mit Obst, Gemüse, Olivenöl, Nüssen, eher Fisch, aber weniger Fleisch und Ballaststoffen. Weitere Bausteine der Vorbeugung sind der endgültige Rauchstopp und Bewegung. Drei mal dreißig Minuten pro Woche – besser noch insgesamt 150 Minuten – sollten Sie anstreben. Wählen Sie dafür eine Aktivität, die Ihnen Spaß macht – so bleiben Sie besser „am Ball“.

Wie senke ich meinen erhöhten LDL-Cholesterinwert?
Prof. Dr. med. Volker Schettler: Eine gesunde Ernährung mit viel pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Salat, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Obst sowie reichlich Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch und Pflanzenfetten wie Oliven- und Leinöl, aber wenig Fett aus Fleisch, Wurst und Käse, wenig Zucker und Weißmehl ist die wichtigste Maßnahme. Auch durch aktive körperliche Bewegung wie Ausdauersport und Abnehmen bei bestehendem Übergewicht lässt sich LDL-Cholesterin senken. Ob das alles ausreicht oder ob zusätzlich Medikamente zu empfehlen sind, hängt von der individuellen Reaktion des Körpers sowie vom jeweiligen Gesamtrisiko ab, das von Ihrer Ärztin/ Ihrem Arzt ermittelt wird.

Wann sind Medikamente nötig?
Prof. Dr. med. Volker Schettler: Bei Menschen mit schwerwiegenden Fettstoffwechselstörungen, wenn es schon Ablagerungen in den Blutgefäßen gibt, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall bereits aufgetreten sind, sind Medikamente in jedem Fall notwendig. Es gibt heute viele hochwirksame und sehr gut verträgliche Medikamente, um LDL-Cholesterin zu senken. Die Therapie basiert auf dem Einsatz von Statinen, die die körpereigene Cholesterinsynthese hemmen. Dieselbe Wirkung entfaltet Bempedoinsäure. Zusätzlich gibt es den Arzneistoff Ezetimib, der die Cholesterinaufnahme im Darm hemmt, sowie Ionenaustauscher, die ebenfalls im Darm cholesterinreiche Gallensäuren binden. Kann der individuelle LDL-Cholesterin-Zielwert durch diese Medikamente nicht erreicht werden, stehen sogenannte PCSK9-Hemmer sowie die Lipoprotein-Apherese – eine Blutwäsche – zur Verfügung.

Wie lange müssen Cholesterinsenker eingenommen werden – und haben sie Nebenwirkungen?
Dr. med. Brigitte Öhm: In der Regel müssen die verordneten Medikamente regelmäßig lebenslang eingenommen beziehungsweise Therapien durchgeführt werden. Eine dauerhafte Senkung der LDL-Cholesterinwerte durch eine kurzfristige Einnahme oder Maßnahme ist nicht möglich. Die heute verfügbaren Medikamente und Therapien zur Cholesterinsenkung sind aber allesamt gut verträglich. In Einzelfällen kann es zu Nebenwirkungen kommen, dauerhafte Schäden aber sind extrem selten. Sollte eine Nebenwirkung auftreten, informieren Sie unbedingt Ihre Ärztin/Ihren Arzt. In der Regel sind Beschwerden rasch rückläufig, wenn die Therapie angepasst wird. In jedem Fall ist es wichtig, die verordneten Medikamente konsequent in der verschriebenen Dosis einzunehmen, damit die LDL-Cholesterin-Zielwerte dauerhaft erreicht werden.

Bei der letzten Messung waren LDL- und HDL-Wert im Rahmen, aber die Triglyzeride erhöht. Was kann das bedeuten?
Prof. Dr. med. Volker Schettler: Liegen die Triglyzerid-Werte bei wiederholter Bestimmung über 150 mg/dl (bzw. 1,7 mmol/l), sind die Fettzufuhr über die Nahrung, die Bildung von Triglyzeriden in der Leber und ihr Verbrauch, zum Beispiel in den Muskeln, nicht im Gleichgewicht. Neben einer nicht ausgewogenen Ernährung und einem Mangel an Bewegung kann auch eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung der Grund für erhöhte Blutwerte sein. Erhöhte Triglyzerid-Werte steigern das Herzinfarktrisiko, zudem kann es bei sehr hohen Werten (über 1.000 mg/dl bzw. 11,3 mmol/l) zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen.

Was tun bei erhöhten Triglyzerid-Werten?
Dr. med. Britta Otte: In den meisten Fällen haben die Betroffenen eine oder mehrere Anlagen für einen Anstieg der Triglyzeride geerbt. Diese bleiben meist solange unsichtbar, bis zu viele Kalorien und zu nährstoffarme Lebensmittel konsumiert werden. Eine mediterrane Kost mit 1.800 kcal (Frau) bzw. 2.000 kcal (Mann) kombiniert mit Vollkornprodukten in drei Mahlzeiten pro Tag und Getränken ohne Kalorien ist der Schlüssel zur Senkung der Werte. Der Erfolg kann bereits nach einer Woche nüchtern kontrolliert werden.

Wie sieht ein solcher Speiseplan zur Triglyzerid-Senkung aus?
Dr. Britta Otte: Man isst zum Beispiel zweimal am Tag je zwei Scheiben Vollkornbrot mit Streichfett und Belag aus dünn Käse/Wurst oder Quark – gerne auch mit Gurken und Tomaten. Außerdem eine warme Mahlzeit mit reichlich Gemüse, als Beilage zum Beispiel zwei Kartoffeln oder eine kleine Tasse gekochter Vollkornreis oder -nudeln. Bis zu fünf Mal pro Woche können je 150 Gramm Fleisch oder Fisch auf den Tisch kommen, dazu nur einmal ein bis zwei Handvoll Obst sowie eineinhalb bis zwei Liter Getränke möglichst ohne Kalorien oder Süßstoffe. Hochwirksame Therapien oder Spezialfette sind nur sehr selten erforderlich.

Welche Rolle spielt das Körpergewicht? Können auch schlanke Menschen hohe Cholesterinwerte haben?
Prof. Dr. med. Ulrich Julius: Übergewicht ist ein starker Risikofaktor für erhöhte Blutfettwerte. Ein erhöhtes LDL-Cholesterin sinkt häufig, wenn man ein Zuviel an Körperfett abbaut und Normalgewicht erreicht. Aber auch bei Schlanken kann der LDL-Cholesterinwert erhöht sein, denn Fettstoffwechselstörungen können erblich bedingt sein. Sie sind dann Ursache einer genetisch bedingten Fehlsteuerung im Stoffwechsel. Das gilt insbesondere für das Lipoprotein(a), ein Blutfett, das dem LDL-Cholesterin ähnelt. Stark erhöhte Werte sind stets vererbt und weniger abhängig vom Lebensstil.

Ich bin 32 Jahre alt und in meiner Familie kommen hohe Cholesterinwerte gehäuft vor. Was kann ich tun, um mein Risiko zu senken?
Dr. Fatima Goudjil: Das individuelle Risiko früh ermitteln zu lassen, ist wichtig, weil eine frühzeitige Behandlung die Prognose deutlich verbessert. Zunächst sollten Sie deshalb Ihre Werte für LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a) bestimmen lassen und Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt sollte Ihr Gesamtrisikoprofil ermitteln. Je höher das Gesamtrisiko, desto niedriger sollte der LDL-Zielwert sein. Das Herzinfarkt-Risiko hängt nicht nur von der Höhe des Cholesterins ab, sondern auch von der Dauer der Gefäßbelastung durch das Cholesterin. Deswegen sollte man die sehr guten Erfolgsaussichten einer frühzeitigen Behandlung nicht vergeben.


- Die DGFF (Lipid-Liga) bietet Informationsmaterial zum Thema Fettstoffwechselstörungen an, das kostenlos unter www.lipid-liga.de heruntergeladen oder in gedruckter Form angefordert werden kann.


Die Expertinnen und Experten in der Sprechzeit waren:

Prof. Dr. med. Peter Grützmacher; Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Leiter des Agaplesion Medizinischen Versorgungszentrums Frankfurt
Dr. Fatima Goudjil; Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Medizinisches Versorgungszentrum Saarbrücken und Lipoproteinapheresezentrum
Prof. Dr. med. Ulrich Julius; Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie; Bereich Lipidologie und Lipoproteinapherese-Zentrum, Medizinische Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden
Prof. Dr. med. Reinhard Klingel; Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Leiter des Apherese-Forschungsinstituts Köln
Prof. Dr. med. Volker Schettler; Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Nephrologisches Zentrum Göttingen
Dr. med. Brigitte Öhm; Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie, Agaplesion Medizinisches Versorgungszentrum Frankfurt
Dr. med. Britta Otte; Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie, Leiterin der Lipidambulanz Medizinische Klink D des Universitätsklinikums Münster

(Info Ulrich Klein GbR)


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