Mieter nicht „arm sanieren“: Rund 78.000 Wohnungen gibt es im Landkreis Emmendingen, rund 118.600 Wohnungen in Freiburg, rund 112.600 Wohnungen im Landkreis Lörrach, rund 202.200 Wohnungen im Ortenaukreis, rund 125.400 Wohnungen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, rund 106.800 Wohnungen im Schwarzwald-Baar-Kreis und rund 85.200 Wohnungen im Landkreis Waldshut – und auf die kommt eine gewaltige Sanierungswelle zu. Grund sind die Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung – und die kosten Geld:
Rund 358 Millionen Euro pro Jahr werden Wohnungseigentümer im Kreis Emmendingen, rund 357 Millionen Euro pro Jahr in Freiburg, rund 488 Millionen Euro im Kreis Lörrach, rund 961 Millionen Euro im Ortenaukreis, rund 579 Millionen Euro im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, rund 457 Millionen Euro im Schwarzwald-Baar-Kreis und rund 403 Millionen Euro im Kreis Waldshut nach und nach in Sanierungen investieren müssen, um die Wohnungen auf einen hohen Energiespar-Standard zu bringen, der bis 2045 erforderlich ist. Das geht aus einer Analyse zum regionalen Wohnungsmarkt hervor, die das Pestel-Institut (Hannover) für das Mieter-Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ gemacht hat.
Allein 113 Millionen Euro jährlich sind demnach notwendig, um die 34.400 Mietwohnungen im Landkreis Emmendingen (238 Millionen Euro jährlich/84.100 Mietwohnungen in Freiburg), (175 Millionen Euro jährlich/53.000 Mietwohnungen im Landkreis Lörrach), (259 Millionen Euro jährlich/89.700 Mietwohnungen im Ortenaukreis), (180 Millionen Euro jährlich/55.800 Mietwohnungen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), (155 Millionen Euro jährlich/47.800 Mietwohnungen im Schwarzwald-Baar-Kreis), (122 Millionen Euro jährlich/35.800 Mietwohnungen im Landkreis Waldshut) energetisch zu sanieren.
Das Mieterschutz-Label warnt dabei vor einer „Klima-Miete“: „Die enormen Sanierungskosten dürfen nicht auf dem Rücken der Mieter abgeladen werden. Der Staat muss unbedingt verhindern, dass Mieter ‚arm saniert‘ werden. Wer eine Wohnung mietet, darf – wenn überhaupt – nur mit einem Bruchteil der Kosten belastet werden. Klimaschutzsanierungen sind Investitionen ins Haus. Sie erhöhen den Wert der Immobilie – bei Miethäusern genauso wie beim Einfamilienhaus. Nutznießer sind damit in erster Linie also die Hauseigentümer“, sagt Matthias Günther vom Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“.
Es sei daher die Aufgabe des Staates, Klimaschutz-Sanierungen bei Mietwohnungen „mit Augenmaß und effektiv zu fördern“. Gleichzeitig müsse es dabei eine klare Deckelung bei den Mieten geben, also keine Förderung ohne Gegenleistung der Eigentümer. Das Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“, das als Verbraucherschutz-Instrument bundesweit faire Vermieter auszeichnet, kündigte an, Mieterhöhungen im Zuge von Klimaschutz-Sanierungen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Bei der Vergabe des Mieter-Labels werde dies als ein Kriterium künftig verstärkt Berücksichtigung finden.
Die Experten von „Mein Fair-Mieter“ erwarten, dass die erforderliche Klimaschutz-Offensive auf dem heimischen Wohnungsmarkt bereits in diesem Jahr startet. „Die Ampel-Regierung in Berlin wird neben dem Neubau auch die energetische Gebäudesanierung jetzt zügig voranbringen. Deshalb ist es umso wichtiger, gleich Pflöcke gegen Mietentreiberei bei Sanierungen zu setzen“, so Matthias Günther. Er appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten der Koalitionsparteien von SPD, Grünen und FDP, bei allen Klimaschutz-Aktivitäten den „Mieten-Rechner“ mitlaufen zu lassen. „Mein Fair-Mieter“ kündigte an, sich in den nächsten Tagen auch direkt an die Bundestagsabgeordneten zu wenden, um ihnen Know-how zum Wohnungsmarkt bereitzustellen.
Immerhin gehe es um das angestrebte Ziel, bis 2045 auch beim Gebäudebestand im Kreis Emmendingen eine neutrale Treibhausgasbilanz zu erreichen. „Das werden 23 lange Jahre für die Sanierung und den Wechsel von fossilen zu regenerativen Energien. Die Bundesregierung wird den Start der energetischen Gebäudesanierung allerdings nicht auf die lange Bank schieben“, sagt Matthias Günther.
Es gehe darum, etwa 80 Prozent der Wohnfläche (rund 6,4 Millionen Quadratmeter im Kreis Emmendingen, rund 7,3 Millionen Quadratmeter in Freiburg, rund 8,8 Millionen Quadratmeter im Landkreis Lörrach, rund 16,7 Millionen Quadratmeter im Ortenaukreis, rund 10,3 Millionen Quadratmeter im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, rund 8,2 Millionen Quadratmeter im Schwarzwald-Baar-Kreis und rund 7,1 Millionen Quadratmeter im Kreis Waldshut) energetisch zu sanieren. Das restliche Fünftel sei entweder bereits auf einem hohen Klimaschutz-Niveau oder die Bausubstanz lasse – technisch/wirtschaftlich betrachtet – eine sinnvolle Sanierung nicht zu.
„Verteilt auf die Jahre werden bis 2045 in den Wohngebäude-Bestand - berechnet auf aktueller Kostenbasis - vom Kreis Emmendingen rund 8,2 Milliarden Euro (von Freiburg rund 8,2 Milliarden Euro, vom Kreis Lörrach rund 11,2 Milliarden Euro, vom Ortenaukreis rund 22,1 Milliarden Euro, vom Kreis Breisgau-Hochschwarzwald rund 13,3 Milliarden Euro, vom Schwarzwald-Baar-Kreis rund 10,5 Milliarden Euro und vom Kreis Waldshut rund 9,3 Milliarden Euro) in Energiespar-Sanierungen investiert werden müssen. Die Herausforderung ist es jetzt, Klimaneutralität zu einem hohen Maß auch ‚Mieten-neutral‘ hinzubekommen“, so Günther vom Label „Mein Fair-Mieter“. Mit dem Gütesiegel werden insbesondere öffentliche und kirchliche Wohnungsunternehmen sowie Genossenschaften ausgezeichnet.
(Presseinfo: Mein Fair-Mieter Gütesiegel e.V., 27.01.2022)
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27. Jan 2022 - 12:49 UhrKlimaschutz für Wohnungen in der Regio kostet über eine Milliarde Euro - Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ warnt: „Mieter nicht arm sanieren“

Klimaschutz für Wohnungen in der Regio kostet über eine Milliarde Euro.
Foto: Mein Fair-Mieter Gütesiegel e.V.
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