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6. Jan 2021 - 10:54 Uhr

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"Paracelsus" von Eva-Isabel Schmid

REGIOTRENDS-Foto: Melanie Glaub
"Paracelsus" von Eva-Isabel Schmid

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Heute: "Paracelsus" von Eva-Isabel Schmid

Ein ungewöhnlicher Roman über eine der bekanntesten Figuren der europäischen Medizin Geschichte: „Paracelsus. Auf der Suche nach der unsterblichen Seele“ von Dr. Eva-Isabel Schmid

Paracelsus hatte viele Namen und ebenso viele Gesichter. Er war Naturphilosoph, Alchemist, Laientheologe und Sozialethiker. Wir kennen ihn heute meistens als einen der berühmtesten Ärzte der Medizingeschichte. Er verlegte seine medizinischen Werke nicht in Latein, sondern in deutscher Sprache. Eine revolutionäre Haltung, die zeigt, wer Paracelsus war: Ein Kind der Aufklärung und des Aufbruchs in die neue Zeit.

Der bürgerliche Name des Paracelsus ist Theophrastus Bombast von Hohenheim. Er lebt im revolutionären Basel des ausklingenden 16. Jahrhunderts. Martin Luther reformiert die christliche Glaubensgemeinschaft. Dieser revolutionäre Akt wir von der Autorin gekonnt als Nebenstrang angelegt, dokumentiert er doch die Schwierigkeiten der jungen Mediziner, die zur Erforschung des menschlichen Körpers auf Sezierungen von Leichen angewiesen waren. Eine Tatsache, die unter dem neuen Bischof von Basel nicht mehr selbstverständlich ist. Der neue Bischof: Als katholischer Machthaber versucht er die moderne Haltung der Baseler Universität zu untergraben. Mit Gewalt. Die von Isabel Schmid in den Raum fabulierten Figuren, die Paracelsus umgeben, helfen das Bühnenbild zu gestalten. Caspar etwa, der treue Freund und Kommilitone des Paracelsus oder Margret, seine Geliebte. Als Tochter des Jakob Göttisheim, Dekan der medizinischen Fakultät in Basel, ist sie eine Skizze dessen, was später einmal als emanzipierte, aufgeklärte Frau gelten wird. Ihr Zwillingsbruder Laurencz ist der vierte im Bunde im Strauss der Protagonisten, denen wir durch die bewegte Zeit der Hauptkulisse folgen dürfen.

Mit dem Verbot der Erforschung der Leiblichkeit des Menschen wird auch Paracelsus Hauptanliegen unterbrochen. Den Sitz der Seele im Menschen möchte er ausmachen, dafür nimmt Paracelsus mehr als nur ein Opfer in Kauf. Weil ihm seine naturwissenschaftliche Basis genommen ist, verirrt er sich auf dem Weg der schwarzen Künste und verfällt dem Hexenmeister Balthasar. Mit den Forschungen jenseits der empirischen Wissenschaften rutscht der leidenschaftliche Arzt Paracelsus endgültig von seinem Weg endgültig ab. Er hat den Ruf, sein Umfeld in Schwierigkeiten zu bringen, die mit dem zunehmenden Erstarken des neuen Bischofs tödlich sein können. Schließlich ist er gezwungen, Basel zu verlassen und hinterlässt ein Schlachtfeld unter seinen Mitmenschen. Paracelsus muss fliehen und strandet am Ende im Italien Leonardo da Vinicis, wo er einen offenen und aufklärerischen Ort findet, an dem er frei und unter Anerkennung praktizieren kann. Aber die Geister, die er rief, schweigen dennoch nicht...

Der historische Roman beginnt eindrücklich mit der Rettung eines Bauernjungen durch einen chirurgischen Eingriff. Die Szene ist mit Sachverstand geschrieben. Eva-Isabel Schmid ist hauptberuflich Ärztin. Ihre medizinische Ausbildung ist deutlich herauszulesen und kann den empfindsamen Leser nicht nur in der ersten Szene fordern. Die Autorin beherrscht alle Register des schriftstellerischen Könnens. Ihre Figuren treten nahe an die Lesenden heran und binden sie durch ihre persönlichen Schicksale und Vielschichtigkeit. Vor dem Hintergrund der Erzählung tauchen historische Feinheiten und menschliche Abgründe in abgeschlossenen Sequenzen auf, die nicht nur glaubhaft, sondern absolut packend sind. Wenn man das erste Kapitel gelesen hat, dann erahnt man bereits das Ausmaß der aufgewühlten, gewalttätigen und wirren Zeit, in der Paracelsus gelebt hat.

Schmid baut die stetige Unruhe, die die Figuren immer mehr in ihre Grenzen und Fesseln kettet geschickt auf, steigert das Tempo, mordet und hinterfragt die menschlichen Leidenschaften. Ihre Sätze sind kurz und prägnant, stützen die Emotionen in ihren Beschreibungen. Teils findet sich eine dem Jahrhundert des Paracelsus angepasste Sprache, bleibt aber trotzdem in einer Intonation, die dem modernen Leser nicht fremd vorkommt.

Je näher das Ende des Romanes rückt, desto fesselnder wird der Text und die Lesenden hetzten atemlos zur letzten Seite, vom bis zur Spitze getriebenen Spannungsbogen geführt und verführt. Leider tritt die ersehnte Erleichterung durch eine Lösung aller im Roman angerissenen Probleme nicht auf. Hoffnung liegt allein im Versprechen des Klappentextes: „Die Fortsetzung des Romans erscheint 2021“.


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