Die Stadtverwaltung äußert sich kritisch gegenüber einer von der IG Verkehr vorgelegten Untersuchung zur Tramverlängerung. Die Bachelorarbeit einer Studentin an der Hochschule Karlsruhe enthält methodische Fehler und berücksichtigt nicht alle vorhandenen Rahmenbedingungen, so dass berechtigte Zweifel an den Ergebnissen der Arbeit zu sehen sind.
In einem Brief an den zuständigen Professor der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft listet Bürgermeister Dr. Michael Wilke die Fehler in der Untersuchung auf. So wurde zum Beispiel behauptet, dass der öffentliche Personennahverkehr in Lörrach ausschließlich über Busverkehre abgewickelt werde, ohne die Regio-S-Bahn mit ihren 20.000 Fahrgästen zu berücksichtigen. Der Tramverlängerung wurde eine Wirtschaftlichkeit unterstellt, ohne in der Berechnung die Betriebskosten zu berücksichtigen. Auch fanden die Ergebnisse der C-14 Studie des Trinationalen Eurodistricts Basel keinerlei Erwähnung. In der Studie wurde gezeigt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich ist.
„Mit einem offenen Austausch hätte man die Kritikpunkte leicht klären können, aber der hat leider nicht stattgefunden“, erklärt Bürgermeister Dr. Michael Wilke. „ Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass hier ein wissenschaftliche Arbeit für die politische Auseinandersetzung um das Thema instrumentalisiert werden sollte“.
Die vorliegende Untersuchung wurde von dem Ingenieurbüro Mailänder Ingenieur Consult GmbH (MIC) begleitet. Einen öffentlichen Auftrag seitens der Stadt Lörrach hatte das Büro nicht.
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Brief an die Universität;
Professor Dr. Ing. Markus Stöckner
Hochschule Karlsruhe / Technik und Wirtschaft
Institut für Grund- und Straßenbau
Moltkestraße 30
76133 Karlsruhe
13. November 2013
Machbarkeitsstudie Verlängerung der Tramlinie 6 von Basel nach Lörrach (Bachelor-Arbeit von F. Kaciu)
Sehr geehrter Herr Prof. Stöckner,
die in Lörrach sehr aktive IG Verkehr hat uns eine Bachelorarbeit zukommen lassen, die an der Hochschule Karlsruhe / Technik und Wirtschaft entstanden ist. Inzwischen ist auch eine Pressemitteilung der IG Verkehr erschienen, in der auf die Existenz dieser Arbeit verwiesen wird und die Wiedereinführung der Straßenbahn in Lörrach gefordert wird.
Mir sind Ihre Regeln bezüglich der Veröffentlichung von Ergebnissen der Bachelorarbeiten nicht bekannt. Jedoch sind mir einige Punkte aufgefallen, bei denen ich dringend eine Überarbeitung empfehlen würde:
Es werden Daten zitiert, die nicht selbst erhoben wurden und die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, Quellen werden nicht deutlich gemacht. Die auf S. 18 wiedergegebenen Ergebnisse der Umfrage sind ein Auszug aus den Lörracher Verkehrsgesprächen vom 5. Mai 2012. Die genannte Umfrage hat es daher wohl nicht gegeben.
Mehrfach wurden methodische Fehler gemacht, insbesondere wurden wesentliche Rahmenbedingungen unterschlagen, weswegen die Ergebnisse der Studie insgesamt in Frage zu stellen sind. Ein Beispiel: Auf S. 16 heißt es, „der Verkehr werde ausschließlich über Busverkehre abgewickelt“. Mir stellt sich die Frage, warum die Regio-S-Bahn mit ihren 20.000 Fahrgästen überhaupt nicht erwähnt wird – wird sie bewusst ignoriert, weil sie einen Großteil der ÖPNV-Verkehrsbeziehungen zwischen Lörrach und Basel bereits abdeckt?
Eine weitere gravierende Fehleinschätzung ist bei der Breite der Tramwagen unterlaufen: Diese sind 2,30m breit und nicht 2,65m wie in der Bachelor-Arbeit unterstellt. Derartig breite Tramwagen können das vorhandene Basler Streckennetz gar nicht befahren!
Auf S. 20 findet sich ein weiterer schwerer Fehler: In der Wendeschleife am Bahnhof Lörrach Haagen / Messe sind Gleise mit einem Radius von 19m vorgesehen, obwohl die BOStrab einen 25m Radius verlangt - zu Beginn der Bachelor-Arbeit wird richtigerweise darauf hingewiesen. Der Platz dafür wäre am gewählten Standort nicht vorhanden. Das hätte korrekterweise erwähnt werden müssen.
Ärgerlich wird es, auch im Hinblick auf die aktuelle politische Diskussion in der Stadt Lörrach, wenn auf S. 28 argumentiert wird: „Die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass es in Lörrach Bedarf an einer Netzerweiterung des Straßenbahnnetzes gibt.“. Genau das hat die vorliegende Untersuchung nicht gezeigt. Denn es gibt keine Aussagen über Fahrgastzahlen und das Nachfragepotential, und es gibt keine Betrachtung im Zusammenhang mit den bereits vorhandenen ÖPNV-Angeboten.
Der letzte Satz des Fazits, dass Straßenbahnen „hochwirtschaftlich“ betrieben werden können, ist zwar nicht grundsätzlich falsch. Diese These wird aber im vorliegenden Fall auch nicht ansatzweise belegt. Ermittelt wurden zwar die Baukosten, nicht aber die Betriebskosten und auch nicht die möglichen Einnahmen. Für die Baukosten gibt es günstigstenfalls Zuschüsse, aber das Aggloprogramm der Schweiz wurde nicht erwähnt. Die Betriebskosten würden vermutlich durch die Stadt Lörrach zu tragen sein. Zu den Fahrgeldeinnahmen findet sich überhaupt keine Aussage, aber erst damit kann lässt sich die Wirtschaftlichkeit einer Tramverlängerung abschließend beurteilen bzw. bewerten.
In einer aktuellen Studie des Trinationalen Eurodistricts Basel wird von keiner Wirtschaftlichkeit einer Tramverlängerung ausgegangen. Die Ergebnisse hätten analysiert und gegebenenfalls widerlegt werden müssen. Ich erwarte von in einer solchen Arbeit, die ja nicht nur der Bestätigung der erworbenen fachlichen Kenntnisse dienen soll, sondern auch als Beleg dafür zu sehen sein ist, dass im Studium das wissenschaftliche Arbeiten erlernt worden ist, deutlich mehr Sorgfalt.
Im Hinblick auf inhaltlichen Klärungsbedarf hätten wir als Kommune gern weitergeholfen. In einem offenen Austausch wären sicherlich verwertbare Ergebnisse herausgekommen. Es wurde jedoch keinerlei Kontakt zu uns aufgenommen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass eine wissenschaftliche Arbeit für die politische Auseinandersetzung um das Thema instrumentalisiert werden sollte.
Mit freundlichen Grüßen
Gez. Dr. Michael Wilke
(Presseinfo: Alexander Fessler, Stadt Lörrach, Fachbereich Medien/Kommunikation, 21.11.2013)
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Kreis Lörrach - Lörrach
21. Nov 2013 - 16:49 UhrStadt Lörrach widerspricht Untersuchung zur Tramverlängerung - Die Bachelorarbeit enthält methodische Fehler und berücksichtigt nicht alle vorhandenen Rahmenbedingungen
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