Zehn Kommunen des Landes erhielten gestern Abend im Marmorsaal des Stuttgarters Neuen Schlosses Preisgelder in Höhe von insgesamt 30.000 Euro. Sie haben bewiesen, dass ihre Bürgerinnen und Bürger besonders viel für eine zukunftsfähige und gerechte Welt tun.
Baden-Baden, Brühl, Dornstadt, Engen, Fellbach, Köngen, Karlsruhe, Lahr, Stuttgart und Ulm – diese baden-württembergischen Kommunen und ihre lokalen Eine-Welt-Initiativen wurden in diesem Jahr für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet. Mit ihren Aktivitäten während der Eine-Welt-Tage im September und Oktober zeigten sie, dass jede und jeder etwas für gerechtere Lebenschancen weltweit tun kann. Die Preisverleihung im Neuen Schloss Stuttgart im Beisein von Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg, bildete den Abschluss der Initiative Meine. Deine. Eine Welt. 2017. Sie übergab die Preise im Zuge der feierlichen Preisverleihung. „Die von der engagierten Bürgerschaft im Land unterstützten entwicklungspolitischen Initiativen genießen einen exzellenten Ruf. Die Bürgerinnen und Bürger, zivilgesellschaftlichen Organisationen und die örtlichen Verwaltungen handeln pragmatisch, sehr motiviert und haben einen langen Atem“, sagte Erler.
„Entwicklungszusammenarbeit fängt nicht in Ländern des Globalen Südens an, sondern hier bei uns, direkt vor der Haustür, in den Kommunen. Durch die vielen gemeinsamen Aktionen kreativer und engagierter Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger entsteht ein Netzwerk für mehr globale Verantwortung“, sagte Philipp Keil, der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ). Die Stiftung ruft alle zwei Jahre zur Initiative Meine. Deine. Eine Welt. auf, 2017 zum zweiten Mal in Kooperation mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global.
„Dieses Projekt ist eine Erfolgsgeschichte, die wir dem hervorragendem Einsatz und unermüdlichem Engagement der Kommunen und ihren Bürgerinnen und Bürgern in Baden-Württemberg zu verdanken haben. Ihre zahlreichen und vielfältigen Aktionen haben uns gezeigt, wie kommunale Entwicklungspolitik vor Ort gelebt werden kann. Damit leisten sie einen wirkungsvollen Beitrag zu dem entwicklungspolitischen Ansatz des Landes und des Bundes.“ betonte Annette Turmann, Projektleiterin bei der SKEW.
29 Städte und Gemeinden sowie ein Landkreis beteiligten sich 2017 mit rund 360 Veranstaltungen an dem Projekt. Die Preisträger verdeutlichten in besonderem Maße, wie sich die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung umsetzen lässt. Ziel 1 ist etwa, Armut in jeder Form und überall zu beenden. Und Ziel 11 verfolgt, Städte und Siedlungen nachhaltiger zu gestalten.
Die Jury, die aus Experten aus den Bereichen Kommunen, Bildung und Partnerschaftsarbeit bestand, legte bei der Bewertung besonderen Wert auf die lokale Vernetzung, die Ansprache der Zielgruppen, die Öffentlichkeitsarbeit und auf den modellhaften Charakter für andere Initiativen.
Über die Preisträger: Kleine Kommunen
1. Preis: Die Gemeinde Köngen mit seinen knapp 10.000 Einwohnern war zum ersten Mal Teil der Initiative Meine. Deine. Eine Welt. Überzeugend war das abwechslungsreiche Programm mit 23 Veranstaltungen innerhalb eines Monats. Dafür bedurfte es einerseits einer hohen Motivation der Bürgerinnen und Bürger sowie vieler Mitmenschen, die sich einbringen und engagieren. Nahezu 20 verschiedene Gruppen beteiligten sich in Köngen am Programm, darunter Vereine, Einzelhandelsgeschäfte, Kirchengemeinden und die Verwaltung. Dieses breite Bündnis an Akteuren sowie die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft stellte die Jury besonders heraus.
2. Preis: Sich mit schweren Themen zu befassen, kann Spaß machen, das zeigte Dornstadt und überzeugte mit den Aktionstagen für Nachhaltigkeit. Mit sehr ansprechenden Flyern und Plakaten wurde zu vielen Veranstaltungen eingeladen. Beispielsweise gestalteten Kinder insgesamt 1.001 Weltkugeln, die dann für einen guten Zweck versteigert wurden. Fußabdrücke mit Tipps für nachhaltiges Handeln wurden an vielen Ecken der Gemeinde aufgeklebt und erinnern daran, dass jede und jeder Verantwortung trägt.
3. Preis: Engen und Brühl teilten sich in diesem Jahr Platz drei unter der kleinen Kommunen. Beeindruckend an Brühl war unter anderem die 20-jährige Partnerschaft mit Dourtenga in Burkina Faso. Das Jubiläum war Anlass, zwei Vertreter aus Westafrika einzuladen. Der Besuch war Teil der mehrwöchigen Brühler Afrikatage. Dabei wurde eine kommunale Klimapartnerschaft unterzeichnet und damit ein wichtiges Zeichen für die Zukunft gesetzt. Engen hat 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner aus 70 verschiedenen Nationen. Dieser Reichtum wurde von den Bürgerinnen und Bürgern während der Initiative genutzt, so die Jury. Sie beschäftigten sich damit, welchen Einfluss die aktuellen politischen Ereignisse weltweit auf die lokale Bevölkerung haben.
Über die Preisträger: Mittlere Kommunen
1. Preis: Fellbach überzeugte besonders durch über 50 Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 50 Kooperationspartnern. Die Ideenvielfalt ihrer Aktionen fiel dem Gremium besonders ins Auge und, dass jede der vielen Aktionen direkt mit einem der 17 SDGs in Verbindung gebracht wurde. So etwa die Installation von Schülerinnen und Schülern, die 2.100 Coffee-to-go-Becher vor dem Weltladen auftürmten. Zuvor hatten sie sich bei Bäckereien über den Konsum des Coffees to go erkundigt, Schautafeln erstellt, um so mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Diese Aktion stieß bei breiten Bevölkerungskreisen Gedanken an, was es für die Erde bedeuten würde, wenn jeder so leben würde, wie wir hier in Deutschland.
2. Preis: Baden-Baden überzeugte die Jury mit dem Veranstaltungsprogramm „Interkulturelle Wochen. Vielfalt verbindet. Angekommen in Baden-Baden.“ Ein besonders schönes Ziel der vielfältigen Veranstaltungen war es, viele Menschen aus verschiedenen Kontexten zusammenzubringen. Das sei besonders gelungen, betonte die Jury. Eine der vielen Aktionen war die Fotoausstellung „Untergegangen“ des syrischen Filmemachers Abdullah Rajab Almalla. Diese Ausstellung zeigte im See am Augustaplatz Fotografien des heutigen Aleppos unter Wasser. Symbolisch sollte dabei auf die Zerstörung des Weltkulturerbes und auf das Schicksal vieler Menschen, die bei der Flucht im Meer geblieben sind, erinnert werden.
3. Preis: Fairer Handel und Globales Lernen standen im Fokus der Lahrer Aktionstage. Viele Veranstaltungen standen im Zusammenhang mit der langjährigen Partnerschaft mit der costa-ricanischen Stadt Alajuela, mit der sie auch eine Kommunale Klimapartnerschaft pflegt. Auch lobte die Jury das fruchtbare Zusammenspiel des lokalen Netzwerks. Das sorgte dafür, dass ein breites Publikum erreicht wurde und Themen aus verschiedenen Perspektiven erörtert werden konnten. Diese Netzwerkarbeit stünde symbolisch für die Notwendigkeit, dass die globalen Herausforderungen nur durch Gleichverteilung auf viele Schultern gelöst werden könnten, so das Gremium.
Über die Preisträger: Große Kommunen
1. Preis: „Städte sind zentrale Orte der Transformation.“ Diesen Slogan setzte die Stadt Stuttgart während der Initiative Meine. Deine. Eine Welt. besonders gut um und erhielt dafür den ersten Platz im Wettbewerb der großen Kommunen. „Das Stuttgarter Programm hat mit seinem starken SDG-Bezug eine Vorbildwirkung, um in die Fläche auszustrahlen“, so lautete eine der Begründungen der Jury. Außerdem sei es Stuttgart besonders gut gelungen, ein Bündnis an verschiedenen Mitstreitern zusammenzubringen. Die Landeshauptstadt habe sich zu einem dauerhaften und strategischen Engagement bekannt.
2. Preis: An Karlsruhe gefiel der Jury gefiel das attraktive Veranstaltungsangebot, die Mischung an Mitwirkenden und die unterschiedlichen Veranstaltungsorte. Diese Vielfalt an Schauplätzen sorgte für eine Vielfalt an Besuchern. „Fairer Handel wirkt und schafft Perspektiven – in Burundi“ unter diesem Motto hat Karlsruhe in diesem Jahr zwei große Themenbereiche in den Fokus gestellt und miteinander verbunden. Seit diesem September gibt es den Karlsruher Fächer-Kaffee – ein fairer Stadtkaffee aus Burundi. Dieser Kaffee ist ein weiterer Baustein in der Partnerschaftsarbeit mit dem ostafrikanischen Partnerland.
3. Preis: Ulm belegt mit dem Veranstaltungsprogramm „Meine. Deine. Eine Welt. und den Ulmer Friedenswochen“ Platz drei. Über sechs Wochen lang beschäftigten sich Ulmerinnen und Ulmer in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten und an unterschiedlichen Orten mit Frieden und Krieg, aber auch mit der Schaffung von gerechten und sozialen Zuständen für den inneren Frieden in einer Gesellschaft. Dabei wurde ein breites Publikum erreicht, was die Jury besonders lobte.
Unter den rund 160 Gästen des Abends waren neben Vertretern aller beteiligter kommunalen Netzwerke hochrangige Vertreter aus Politik und Verwaltung, darunter Abgeordnete aus Bund und Land sowie Bürgermeister. Den Abend moderierte Silke Arning vom SWR.
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Über Meine. Deine. Eine Welt.
Sieben Mal fand die von der SEZ im Jahr 2006 ins Leben gerufene Initiative bislang statt. Insgesamt nahmen dabei fast 90 unterschiedlichen Kommunen Baden-Württembergs teil, viele davon mehrfach. 2017 waren acht Kommunen zum ersten Mal dabei. Ziel ist es, das Bewusstsein für globale Themen zu schärfen, eigenes verantwortliches Handeln im Alltag anzuregen und lokale Netzwerke zu stärken. Meine. Deine. Eine Welt. ist Teil des Partnerschaftszentrums der SEZ und findet im Rahmen des Eine Welt-Promotor*innenprogramms statt.
Weitere Informationen rund um die Initiative, die Preisverleihung und Bildmaterial sind aufgeführt unter: www.sez.de/Presse und www.service-eine-welt.de.
(Presseinfo: Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) )
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Überregional - Stuttgart
29. Nov 2017 - 20:00 UhrAuszeichnung für Kommunen in Baden-Württemberg: Fairer Handel und Globales Lernen - Lahr erhielt dritten Preis in der Kategorie "mittlere Kommunen"
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