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Stadtkreis Freiburg - Freiburg

20. Mar 2018 - 11:36 Uhr Markus Weiler rät allen Freiburgern, auf das Schleppen von Wasserkisten zu verzichten und aus dem Wasserhahn zu trinken. 

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Uni Freiburg: Die Diskussion um Glyphosat und andere Schadstoffe ist laut – Kann man bedenkenlos das Glas unter den Wasserhahn halten?

Seit 25 Jahren findet jedes Jahr am 22. März der Weltwassertag statt. Jürgen Reuß hat sich mit dem Hydrologen Prof. Dr. Markus Weiler von der Universität Freiburg getroffen und ihn gefragt, wie es um die Qualität des Freiburger Trinkwassers steht.

Herr Weiler, was bedeutet der Weltwassertag für einen Hydrologen?

Markus Weiler: In einem hochentwickelten Staat wie Deutschland empfinden es heutzutage vermutlich sehr viele Menschen als selbstverständlich, dass sie zu Hause nur den Hahn aufzudrehen brauchen – und schon läuft hochwertiges Trinkwasser durch die Leitung. So selbstverständlich ist dieser Vorgang aber nicht. Darum nutzen wir diesen Tag in Freiburg als Gelegenheit, einer breiteren Öffentlichkeit die Bedeutung einer so wichtigen Ressource wie Wasser näherzubringen. Wer sich bewusst macht, mit welchen Anstrengungen so eine Grundversorgung verbunden ist, wird diese Ressource anders zu schätzen lernen und sich auch eher für deren Erhaltung und Qualität einsetzen.

Muss man sich aktuell um die Wasserqualität in Freiburg Sorgen machen? Man hört ja gerade so viel von Glyphosat und anderen Pestiziden.

Darüber müssen wir uns hier bezogen auf unser Trinkwasser keine Sorgen machen – die Qualität ist hervorragend. Aber da wir um die Aktualität dieses Themas wissen, haben wir die Frage, ob Pestizide die Qualität unseres Trinkwassers gefährden, auch in den Mittelpunkt unserer diesjährigen Veranstaltungen zum Weltwassertag gestellt.

Sind Glyphosat und andere Pestizide aus Ihrer Sicht unbedenklich?

Nein, so generell kann man das nicht sagen. Aber in Freiburg wird das Trinkwasser vor allem aus dem Grundwasser bezogen, und dort kommt Glyphosat aufgrund seiner Eigenschaft weniger an. Andererseits kann es oberflächlich abgespült werden und in Fließgewässern landen. Wo Trinkwasser beispielsweise aus dem Rhein gewonnen wird, muss man diese Problematik im Blick behalten und gegebenenfalls überlegen, wie man den Stoff wieder herausbekommt. Technisch wäre das kein Problem, sobald es relevant würde.

Sollte man zur Sicherheit nicht doch lieber einen Haushaltsfilter fürs Leitungswasser benutzen oder Mineralwasser trinken?

Völliger Unsinn. Die Verordnungen und Grenzwerte sind für Trinkwasser generell schärfer als für Mineralwasser. Wenn Sie nur Angst vor Schadstoffen haben, ersparen Sie es sich, schwere Kästen die Treppe hochzuschleppen. Und für Kohlensäure gibt es auch Patronen mit Kohlenstoffdioxid.

Dann ist mit dem Wasser ja alles gut.

Das ist zu einfach gedacht. Die aktuelle Trinkwasserqualität aus der Leitung ist nur ein Aspekt. Wir müssen auch schauen, welche Entwicklung sich für die Zukunft abzeichnet. Es ist beispielsweise offensichtlich, dass Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken sind. Diese Mittel beziehungsweise deren Abbauprodukte reichern sich in der Umwelt an. Momentan wird in der Landwirtschaft ein geringeres Maß an Düngung gefordert, denn wir stellen im Grundwasser eine langsame Anreicherung von Nitraten fest.

Wäre eine Umstellung auf ökologischen Landbau eine Lösung?

So einfach ist das nicht, besonders dann nicht, wenn wir auf die erreichten Erträge und die Ertragssicherheit nicht verzichten möchten. In der Praxis stellt sich die Sachlage meist viel komplexer da – man kann ihr nicht mit einer Schwarz-Weiß-Logik beikommen. Zum Beispiel wird Glyphosat häufig dort eingesetzt, wo aus ökologischen Überlegungen nicht mehr gepflügt wird, um etwa steile Äcker vor Erosion zu schützen.

Wie würden Sie die Bedürfnisse der Landwirtschaft mit dem Wunsch nach lebendigen Gewässern verbinden?

Als Hydrologe sitze ich da zwischen den Stühlen. Ich halte manche Stoffe der chemischen Industrie für bedenklich. Zumal schnell abbaubare Stoffe, die entwickelt wurden, um die Auswirkungen auf den Wasserkreislauf möglichst gering zu halten, ein Problem haben: Abbaubar bedeutet nicht, dass diese Stoffe verschwinden. Sie werden oft lediglich umgewandelt, gehen neue Verbindungen ein und werden zu so genannten Metaboliten, die möglicherweise nicht weniger problematisch sind. Ich sehe andererseits aber auch den Nutzen, wenn die Stoffe vollständig abbaubar wären.

Wie entkommt man diesem Dilemma?

In Zukunft wird man meines Erachtens nicht mehr sagen: Dieses Mittel können wir überall anwenden, oder jene Anbaumethode ist überall die beste. Wir müssen unsere Umwelt räumlich besser strukturieren, um sagen zu können: Hier erlaubt man dieses und hier nicht. Statt bei der Landnutzung stur der traditionellen Festlegung zu folgen, wäre es besser, zusätzliche Aspekte wie die jeweiligen hydrologischen Gegebenheiten einzubeziehen und dann zu entscheiden: Wo muss ich stärker schützen, wo kann ich intensiver nutzen?

Wie ließe sich das praktisch umsetzen?

Die Stadt München hat beispielsweise alle für ihre Wasserversorgung relevanten Flächen aufgekauft und dann unter bestimmten Auflagen an die Landwirtschaft verpachtet. In diesem Sinne wäre es wünschenswert, wenn wir Einzugsgebiete hätten, für die wir besonders sensitive Bereiche ausweisen könnten, an denen man sich sehr gut überlegen sollte, was an Stoffen dort eingetragen werden darf, weil sie in hohem Maße im Gewässer landen. Im Gegenzug kann man dann auch weniger problematische Gebiete für eine intensive Nutzung freigeben.

(Medieninformation: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 20.3.2018)

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