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Ortenaukreis - Hausach

11. Jun 2019 - 21:35 Uhr Anja Tuckermann erhält den "LeseLenz-Preis für Junge Literatur

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Hausach: Anja Tuckermann erhält den "LeseLenz-Preis für Junge Literatur - Die Preisverleihung findet am Freitag, den 5. Juli 2019, zur Eröffnung des 22. Hausacher LeseLenzes statt.

Bereits zum dritten Mal vergibt die Thumm-Stiftung in Kooperation mit dem Hausacher LeseLenz und der Stadt Hausach den „LeseLenz-Preis für Junge Literatur“. Die Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert und wird für ein Gesamtwerk vergeben, das sich an ein junges Lesepublikum richtet, oder Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen literarischen Ort geschaffen hat.

Die diesjährige Preisträgerin heißt Anja Tuckermann.

„Sich und seinen Themen treu zu bleiben und dennoch immer andere Wege der literarischen, der künstlerischen Umsetzung zu finden, dieser Herausforderung stellt sich Anja Tuckermann mit jedem neuen Text, und sie stellt sich dieser Aufgabe nicht nur, sie meistert sie auf so eindringliche und poetische Weise, dass sie schlicht und einfach preiswürdig ist. „Dinge, die man früher Kindern und Jugendlichen im wirklichen Leben zugemutet hat, können die Kinder der heutigen Generation mit satten Bäuchen und in warmen Zimmern sehr wohl auch lesen“, so Mirjam Pressler in einem Interview. In diesem Sinne schreibt Anja Tuckermann zum Beispiel vom Lebensweg des Sinto-Jungen Mano, der nicht nur mehrere Konzentrationslager, sondern auch den Todesmarsch von Sachsenhausen überlebte und setzt dort an, wo viele Texte zu diesem Thema enden: Wie überlebt ein Kind, das überlebt hat. Der jüngeren Leserschaft bringt sie das kunterbunte Leben von Menschen unterschiedlichster Nationalitäten näher oder erzählt die verrückt-feinsinnige Geschichte von einem Mann, der gerne eine Blume wäre. Die richtige Sprache für jedes Buch, sein Anliegen und seine Leserschaft zu finden, ist ein Markenzeichen von Anja Tuckermann. Genauso wie sie mit jedem ihrer Texte dem Lesepublikum, ob jünger ob älter, etwas zumutet und keine in Watte gehüllte Erbaulichkeitsliteratur präsentiert, sondern Bücher, die so zeitbezogen und gleichzeitig zeitlos sind, dass sie lange nachhallen“, heißt es in der Begründung der Jury.

Die Preisverleihung findet am Freitag, den 5. Juli 2019, zur Eröffnung des 22. Hausacher LeseLenzes statt.

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Anja Tuckermann

geboren 1961 in Selb, Bayern ist Autorin von Romanen, Erzählungen und Theaterstücken. Außerdem ist sie auch als Journalistin tätig.
Aufgewachsen ist sie in Berlin-Kreuzberg. Von 1980 bis 1991 engagierte sie sich in der feministischen Mädchenbewegung und gab die von ihr gegründete Zeitschrift Tigermädchen heraus, die Texte von Kindern und Jugendlichen veröffentlichte. Im Rahmen ihrer Arbeit für einen Jugendverband organisierte und betreute sie Reisen für Kinder und Jugendliche innerhalb Deutschlands, nach Österreich, England und vor allem in die Türkei.
Von 1988 bis 1992 arbeitete sie als Redakteurin und bis 1997 freiberuflich in der Kinderfunkredaktion des RIAS (heute Deutschlandradio). Seit 1993 leitet sie Schreibwerkstätten für junge Menschen und für Erwachsene zum Schreiben von Prosa und Theaterstücken.
Anja Tuckermann hat Romane, Theaterstücke, Libretti und andere Texte für Musik und Kurzprosa verfasst. Gleich ihr erstes Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt, ihre bekanntesten Bücher sind die dokumentarisch-biografischen Romane „Muscha. Ein Sinti-Kind im Dritten Reich; Denk nicht, wir bleiben hier, über Hugo Höllenreiner und Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war über Hermann Höllenreiner. Sie behandeln das Schicksal von Sinti-Kindern in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes und nach dem Krieg. Bücher von ihr sind ins Norwegische, Schwedische, Dänische, Niederländische, Französische, Spanische, Katalanische und Chinesische übersetzt worden.
Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und war von 2000 bis 2014 im Vorstand des VS Berlin. 2014 wurde sie als Magdeburger Stadtschreiberin benannt.

Werke
Buchveröffentlichungen
1988: Mooskopf. Roman.
1995: Muscha. Ein Sinti-Kind im Dritten Reich. Roman.
1997: Ein Buch für Yunus. Roman.
1999: David Tage, Mona Nächte. Roman. Mit Andreas Steinhöfel
2000: Die Haut retten. Roman.
2002: Fräulein Moxa
2003: Nicht sprechen, nicht schweigen, nicht gehen, nicht bleiben. Roman.
2004: Suche Oma. Roman.
2004: Mutgeschichten.
2005: Weggemobbt.
2005: Denk nicht, wir bleiben hier – Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner.
2007: Das verschluckte Lachen. Roman.
2008: Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war.Roman.
2008: Ein Buch für Yunus. Roman.
2011: Die Möwe und ein Meer von Farben. Bilderbuch.
2011: Adile. Ein Mädchen aus Istanbul. Kinderbuch.
2012: Familie Merkwürdig und Familie Unglaublich machen eine Dampferfahrt.
2012: Allein im Wald. Bilderbuch.
2013: Träumen in Berlin, Lyrik und Prosa von 47 Kindern und Jugendlichen.
2013: Kopfüber Kopfunter, Kinderbuch.
2013: Nirgendwohin Irgendwohin, 22 Geschichten von Gefahren, Abenteuern und Glück.
2014: Alle da! Unser kunterbuntes Leben, mit Tine Schulz. Kinderbuch

Sachbuch
2013: Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen-Alltag, Widerstand und Verfolgung-Jugendliche im Nationalsozialismus.
2008: Heimat ist da, wo man verstanden wird – Junge VietnamesInnen in Deutschland.
1999: Horror oder Heimat – Jugendliche in Berlin-Hellersdorf.

Theaterstücke
UA 1996: Asra – Die von gegenüber. GRIPS Theater. Berlin
UA 1998: Komm, wir knutschen. GRIPS Theater. Berlin
UA 1999: Angst im Kopf. widu theater, Oldenburg
UA 2001: Ganz große Pause. GRIPS Theater Berlin
UA 2007: Palmström, Korf und Kunkel. Mittelsächsisches Landestheater Freiberg/Döbeln
UA 2009: Kazandik. Tiyatro Tempo, Ankara
UA 2011: Warten, dass das Leben beginnt – Bavuldaki Hayatlar – Yasamayi Beklerken. Tiyatro Tempo, Ankara (türk. Fassung)
UA 2013: Warten, dass das Leben beginnt – Bavuldaki Hayatlar – Yasamayi Beklerken. Theater Burghofbühne, Dinslaken (deutsche Fassung)

Hörbuch
2011: Sinti und Roma hören. Eine musikalisch illustrierte Reise durch die Kulturgeschichte der Sinti und Roma von den Anfängen bis in die Gegenwart, mit über 40 Musikbeispielen.

Musik und Text
1993: Splitter – eine Aufführung für zwei Sprecher, Musik von Stephan Froleyks und aller hand, Akademie Schloss Solitude, Stuttgart
1995: U 7 – Hörstück mit Musik von Lutz Glandien für Tonband, E-Gitarre & Klarinette. UA 1995 Kunstspeicher Potsdam, neue Fassung mit Film von Veit Lup, UA 1999 Kulturforum Berlin
1998: Der Professor im Wald. Hörstück mit Raymond Kaczynski, Schlagzeug, UA im studio im hochhaus, Berlin
1999–2003 Drei x Drei, Mach Sieben, Und Acht, Und Neun ist Eins, Und Zehn ist keins von Michael Beil. UA Berlin u. Stuttgart
2001: Aber ja. Lied von Flori Reifenberg, UA Berlin, Klangwerkstatt
2002: X & Y. Kammeroper von Sidney Corbett, UA: Stuttgart, Festival Eclat
2002: Electric Chair von Sidney Corbett, UA: Münster, Ensemble Wire Wings
2004: Die sieben Tore von Sidney Corbett, UA: Münster ZeitKlang Festival, Wire Wings
2008: Wer ist Fräulein Moxa? mit Raymond Kaczynski, UA Villa Waldberta, Feldafing
2012: Familie Merkwürdig und Familie Unglaublich mit Raymond Kaczynski, UA: Berlin

Auszeichnungen
1992: Kurt-Magnus-Preis der ARD der für das Feature Muscha
1994: Das Rote Tuch. Jugendmedienpreis der SPD Berlin-Charlottenburg für den Roman Muscha
1999: Nominierung für den Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis Kaas & Kappes für Komm, wir knutschen
2000: Hans-im-Glück-Preis für David Tage, Mona Nächte
2006: Deutscher Jugendliteraturpreis für Denk nicht, wir bleiben hier
2007: Das verschluckte Lachen (Kopfüber Kopfunter) – Buch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach und 2008 auf der Auswahlliste The White Ravens der Internationalen Jugendbibliothek in München
2009: Friedrich-Gerstäcker-Preis für Mano. Der Junge, der nicht wusste, wo er war
2012: Kathrin-Türks-Preis für Warten, dass das Leben beginnt
2014: Friedrich-Bödecker-Preis
2019: LeseLenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur

Sonstige Würdigungen (Auswahl)
1987: Alfred-Döblin-Stipendium in Wewelsfleth
1992/1993: Stipendium der Akademie Schloss Solitude
1998/1999: Stadtschreiberin im Berliner Bezirk Hellersdorf
2000/2001: Stadtschreiberin von Ranis, Thüringen
2001: Burgschreiberin von Beeskow, Brandenburg
2007: Stadtschreiberin von Ankara auf Einladung des Goethe-Instituts
2007/08: Stipendium des Kulturamts München im Künstlerhaus Villa Waldberta
2010: Stipendium Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf
2011: Stipendium Villa Decius in Krakau
2014: Stadtschreiberin von Magdeburg

(Info: Anna Teresa Agüera Oliver, LeseLenz)

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