Auch wenn das Unternehmen in der Englerstraße 4 seit Ende 2014 unter dem Namen „Firma Müller Offenburg steeltec GmbH“ firmiert: An den vier Schwerpunkten, die „Stahlbau Müller“ groß gemacht hatten, soll festgehalten werden. „Wir wollen das Vertrauen des Marktes zurückgewinnen“, betont Geschäftsführer Lutz Eulig.
Dabei handle es sich um eine „Mammutaufgabe“, unterstreicht der Diplom-Ingenieur gegenüber OB Edith Schreiner, die den Betrieb Mitte Juli besuchte. Nach der bewegten Vergangenheit und einem Insolvenzantrag im August 2013 sei die Stabilisierung inzwischen gelungen, so Eulig – was vor allem daran lag, dass auch in den schwierigen Zeiten der Zahlungsunfähigkeit die Aufträge nicht ausblieben und die kritische finanzielle Situation nicht durch fachliche Inkompetenz ausgelöst worden war: „Fachlich haben wir unsere Leistung immer erfüllt.“
Im Dezember 2014 wurde die Firma von der Investorengruppe „Ark Capital“ aus der Insolvenz übernommen, die laut Prokurist Martin Karcher „Interesse an der operativen Entwicklung“ des Offenburger Traditionsunternehmens zeigt.
Es war der Schlossermeister Franz Anton Müller, der das Unternehmen 1842 in der Steinstraße gegründet hatte. Nach der Umwandlung in eine Bau- und Kunstschlosserei entwickelte sich der Betrieb 1926 zur größten Schlosserei in Mittelbaden mit 50 Mitarbeitern. 1935 entstand der Neubau am heutigen Standort in der Nähe der Okenstraße, dem ersten planmäßig erschlossenen Offenburger Industriegebiet mit Gleisanschluss an den Güterbahnhof. Beim Luftangriff 1944 werden 70 Prozent der Werksanlagen zerstört, doch der Wiederaufbau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging rasch: Mitte der 1950er-Jahre beschäftigt Müller 500 Mitarbeiter.
Von dieser Zahl kann heute nur geträumt werden. 74 Beschäftigte sind es derzeit, davon neun Auszubildende. „Natürlich wollen wir wieder wachsen“, gibt Eulig die Marschrichtung vor. Aber nicht um jeden Preis: „Wir fangen gerne wieder klein an.“ Augenmaß und Behutsamkeit sind angesagt. Auf jeden Fall soll an den vier Ausrichtungen festgehalten werden: „Diese Kombination macht den Wert unseres Unternehmens aus“, ist sich Karcher sicher. Neben der traditionellen Säule, dem Stahlbau und der Stahlkonstruktion (in Offenburg tragen die Baden-Arena, der Hohe-Horn-Turm und die Überdachung des ZOBs die Müllersche Handschrift) ist die Firma seit den 1950er-Jahren im Tankstellenbau aktiv, seit den 70er-Jahren im Komplettbau und seit den 80er-Jahren mit Sonderkonstruktionen auf dem Markt: „Wir sind mehr als Stahlbau“, wirbt Karcher für die Vielseitigkeit des Betriebs, dessen Verwaltung seit 1961 im heute unter Denkmalschutz stehenden Bau des Architekten Egon Eiermann sitzt.
Das Betriebsgelände umfasst etwa 25 000 Quadratmeter, davon sind 15 000 überdacht. Die theoretische Jahreskapazität liegt bei 5000 Tonnen. Da es auf dem Firmengelände immer schon recht beengt zuging, ist Eulig ganz froh darüber, dass derzeit noch Luft nach oben besteht. Die Auftragslage sieht gut aus: „Wir sehen uns im Plan“, so Karcher. Im August soll die Stahlkonstruktion für das neue Hotel „Liberty“ im ehemaligen Gefängnis an der Grabenallee geliefert werden.
Arbeit gibt es genug. Die Firma hat Bildungspatenschaften übernommen und engagiert sich bei der Integration von Flüchtlingen: Zwei Männer aus dem Iran und Afghanistan wurden bereits als Praktikanten eingestellt. Sorgen bereitet der Facharbeitermangel: „Wir suchen qualifiziertes Personal.“ Vor allem Projektleiter für den Bereich Stahl- und Industriebau, die als Bindeglied zur Kundschaft fungieren, werden benötigt.
(Pressemitteilung der Stadt Offenburg vom 22.7.16)
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Ortenaukreis - Offenburg
22. Jul 2016 - 15:30 UhrVertrauen des Marktes zurückholen - Nach Turbulenzen ist die Firma Müller Offenburg steeltec GmbH konsolidiert - Betriebsbesuch von Oberbürgermeisterin Edith Schreiner

In guten Händen. Werner Pokornys Cortenstahl-Kunstwerk „Endlos“ wird auf Vordermann gebracht, ehe es vor der Villa Bauer eine neue Heimat finden wird.
Foto: Siefke
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