Gut 2.400 Beschäftigte haben sich am heutigen Dienstag an den Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Kommunen in Baden-Württemberg beteiligt. Bei den Streiks waren auch viele Beschäftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst dabei. Alleine in Karlsruhe protestierten insgesamt 1.500 Beschäftigte, darunter viele GEW-Mitglieder. Weitere Streiks von ver.di und der GEW fanden unter anderem in Ostfildern, Plochingen, Kehl, Nürtingen und Kirchheim statt.
Der nordbadische GEW-Bezirksvorsitzende Stefan Bauer sagte in Karlsruhe: „ Es ist super, wie die Kolleg*innen auf die Ignoranz der Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde reagieren. Heute hier in Karlsruhe, aber auch an den vielen anderen Orten, an denen heute und seit letzter Woche gestreikt wird. Das Loch durch die hohe Inflation ist noch nicht gestopft. Deshalb brauchen die Beschäftigten mehr Geld. Es ist an den Arbeitgebern, mehr anzubieten.“
„Die Streiks werden die Arbeitgeber zum Nachdenken bringen. Die Gehälter liegen real immer noch unter dem Niveau von 2020. Die weiter gestiegene Arbeitsbelastung macht die Beschäftigten krank und treibt sie in die Teilzeit, das sehen wir sehr deutlich in den Kitas. Die Ideen, wie wir dem begegnen können, liegen auf dem Verhandlungstisch. Darüber gilt es zu reden und gute Kompromisse zu finden. Die Streiks wollen genau das erreichen. Wenn in großen Unternehmen Maschinen abgeschaltet werden müssen, weil Personal fehlt, würde ein Arbeitgeber sofort reagieren. Wenn in Baden-Württemberg fast überall Kita-Öffnungszeiten verkürzt werden, schauen die Arbeitgeber zu, statt die Jobs für pädagogische Profis attraktiver zu gestalten,“ sagte Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Stuttgart.
In den nächsten Tagen wird weiter gestreikt. Morgen wird Stuttgart ein Schwerpunkt sein, dort werden dann auch Beschäftigte des Jugendamts und der städtischen Kitas streiken.
Übersicht über die Streiks: www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/streiks-vor-der-zweiten-verhandlungsrunde
In der Tarifrunde für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beim Bund und den Kommunen fordern die Gewerkschaften 8 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro für Entgelterhöhungen und höhere Zuschläge für besonders belastende Tätigkeiten. Die Ausbildungsvergütung und Praktikantenentgelte sollen um 200 Euro monatlich steigen. Außerdem werden drei zusätzliche freie Tage pro Jahr und ein weiterer zusätzlicher freier Tag für Gewerkschaftsmitglieder gefordert sowie ein „Meine-Zeit-Konto“, in dem die Beschäftigten Entgelterhöhungen und Zuschläge ansparen können, um sie zur Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit oder für zusätzliche freie Tage beziehungsweise längere Freistellungsphasen zu nutzen. Ein weiteres Ziel ist die Wiederaktivierung der Altersteilzeit.
Nach der ergebnislosen ersten Verhandlungsrunde am 24. Januar sind die nächsten beiden Verhandlungsrunden für den 17./18. Februar 2025 und vom 14. bis 16. März 2025 terminiert. Die Verhandlungen finden in Potsdam statt. Ver.di leitet dort die Verhandlungen für die Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Informationen zu Beschäftigten:
Die Gewerkschaften verhandeln bundesweit für rund 2,5 Millionen Beschäftigte. Angeführt werden sie dabei von ver.di. Im Organisationsbereich der GEW wird für Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst verhandelt, beispielsweise für Erzieher*innen sowie Sozialarbeiter*innen.
In Baden-Württemberg arbeiten mehr als 236.000 Tarifbeschäftigte bei den Kommunen. Darunter sind viele pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, in der Schulkindbetreuung, der Sozialarbeit und der Behindertenhilfe. Alleine in der frühkindlichen Bildung arbeiten rund 45.000 Beschäftigte direkt in kommunalen Einrichtungen.
Die Tarifrunde reicht weit über die Kommunen hinaus. Sie betrifft auch viele Beschäftigte bei den freien und kirchlichen Trägern. Sie haben in Baden-Württemberg eine große Bedeutung, weil sie den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) direkt anwenden oder sich ihre Gehälter und Arbeitsbedingungen zumindest indirekt am TVöD orientieren. So arbeiten allein in den Kitas von kirchlichen und freien Trägern knapp 60.000 Beschäftigte. Darüber hinaus sind direkt oder indirekt in Baden-Württemberg weitere 32.000 Beschäftigte in sozialen Diensten und Einrichtungen von den Verhandlungen betroffen.
Bedarf an Erzieher*innen steigt weiter:
Es geht in der Tarifrunde um einen Ausgleich zur Bewältigung der Inflation, aber auch darum, den öffentlichen Dienst zu einem attraktiven Arbeitgeber zu machen und mit einem guten Gehaltsabschluss einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel zu leisten. Laut einer Prognose des Paritätischen Gesamtverbands fehlen derzeit bundesweit 125.000 Erzieher*innen, in Baden-Württemberg aktuell mindestens 18.000 mit steigender Tendenz.
Die aktuellen Ausbildungszahlen reichen nur, um den aktuellen Ersatzbedarf zu decken, aber nicht, um das zusätzliche Personal für den dringend notwendigen weiteren Ausbau des Kita-Angebots zu gewinnen. Problematisch zu bewerten sind die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie von 2024, nach der bundesweit der Anteil an Fachkräften in den Kitas sinkt. In Baden-Württemberg erreicht nur noch etwa jede vierte Kita (26 Prozent) diese hohe Quote von 82 Prozent, bei der mehr als acht von zehn pädagogisch Tätigen über mindestens einen einschlägigen Fachschulabschluss verfügen und die zentraler Faktor für kindgerechte frühkindliche Bildung ist. 2017 traf das noch auf 39 Prozent der Kita-Teams zu.
Weitere Informationen:
www.gew-bw.de/tarif/tarifrunde-tvoed-2025
https://www.gew.de/tarif/tvoed
(Presseinfo: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg, 04.02.2025)
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4. Feb 2025 - 15:22 UhrWarnstreik im öffentlichen Dienst auch in Kehl - Bildungsgewerkschaft: Viele Beschäftigte in Kitas und sozialen Einrichtungen streiken mit

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